Was ist Lebensbalance?

Sei es durch eine Krise oder ein schleichendes Gefühl des Unwohlseins: Vielen Menschen drängt sich irgendwann die Frage auf, wie sich ihr Leben wieder »in Ordnung« bringen lässt – und stoßen so auf das Thema Lebensbalance. Was ist Lebensbalance?

Lebensbalance ist die Idee, zwischen verschiedenen Bereichen des Lebens ein Gleichgewicht herstellen und beibehalten zu können. Das Ziel ist, ein ausgewogeneres und erfüllteres Leben zu führen. Es gibt etliche Lebensbalance-Modelle. Wichtig ist, eines zu finden, das zu dir passt.

Drei Modelle stelle ich im Folgenden vor, zwei davon nur grob, das dritte ausführlicher. Fangen wir – kurz und bündig – mit dem Lebensbalance-Modell von Nossrat Peseschkian an.

📌 Tipp: Eine Methode speziell zur kreativen Lebensbalance ist die LIWO-Methode.

Nossrat Peseschkian · Balance-Modell

Das Balance-Modell von Nossrat Peseschkian sieht vier Lebensbereiche vor, die sich wie folgt aufzählen lassen: Körper und Sinne, Leistung und Verstand, Kontakte und Tradition, sowie Fantasie und Zukunft. Das Modell ist Kern der »Positiven Psychotherapie«, die Peseschkian entwickelt hat.

Peseschkians Balance-Modell wird – nach Angaben der Peseschkian-Stiftung – auch als die »vier Qualitäten des Lebens« bezeichnet. Die genannten Lebensbereiche seien es, die des Menschen »Lebenszufriedenheit, sein Selbstwertgefühl, seinen Umgang mit Konflikten und Herausforderungen« beeinflussen. (Quelle)

Aufmerksam geworden bin ich auf den Namen Nossrat Peseschkian allerdings durch ein Lebensbalance-Modell, welches an das von Peseschkian nur angelehnt ist – mir persönlich aber mehr geholfen hat. Es stammt aus dem Buch Die vier Säulen der Lebensbalance von Marco von Münchhausen. 📖

Was sind die 4 Säulen?

Die 4 Säulen der Lebensbalance sind: Beruf und Finanzen, Familie und Kontakte, Gesundheit und Fitness, sowie Sinn und Kultur. Was diese Bereiche jeweils alles umfassen, das bespricht der Autor Marco von Münchhausen ausführlich in seinem Lebensratgeber über eben diese vier Säulen.

Auch hier fallen die »Doppel-Kategorien« auf: jeder Bereich wird durch zwei Begriffe benannt. Da scheint es naheliegend, acht statt vier Lebensbereiche zu definieren. Genauso macht es das Lebensrad. Hier mal die 8 Lebensbereiche in alphabetischer Reihenfolge.

Was sind die 8 Lebensbereiche?

  • Beruf
  • Familie
  • Finanzen
  • Freizeit
  • Freunde
  • Gesundheit
  • Partnerschaft
  • Spiritualität

Ich persönliche habe die Erfahrung gemacht, dass ein Mehr an Bereichen nicht unbedingt zur Klarheit oder gar Balance beiträgt. Deshalb will ich mich im Folgenden auf die vier Lebensbereiche konzentrieren, wie sie Münchhausen definiert hat.

Ehe ich auf dieses Sachbuch genauer eingehe, machen wir zur Einstimmung auf das Thema Lebensbalance einen Schlenker über einen Roman, der im übertragenen Sinne sicher auch als Ratgeber dienen kann – und zwar Momo von Michael Ende. 🐢

Was ist das Besondere an Momo?

Das Besondere an Momo ist ihre Fähigkeit, sehr gut zuhören zu können – und zwar jedem Menschen, ganz gleich, was dessen Sorgen sind. Im Gespräch mit dem Mädchen Momo verlieren sie ihre Furcht, schöpfen neuen Mut und fühlen sich fürs Leben besser gewappnet.

Zu Momos besten Freunden gehört ein alter Mann namens Beppo Straßenkehrer. Der sagt einmal Folgendes:

Es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. […]

So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken […]. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.1

Momo kennen wir als das Kind, »das anderen Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte« ⏳ – so heißt es auch im Untertitel des Buchs, das 1973 erschienen ist. In dieser Geschichte die Zeit-Diebe als graue Herren in Erscheinung. Sie trugen steife Hüte auf ihren Glatzen und rauchten aschfarbene Zigarren. Gut erkennbare Bösewichte waren das.

Wie sieht es mit den Zeit-Dieben heute aus? Wir haben die Gefahr in den Griff bekommen, sie in die Tasche gesteckt. Die Zeit-Diebe qualmen nicht mehr, sie blinken nur noch 📲 – und für jede gestohlene Stunde gibt’s eine App, die dein Leben leichter machen soll, also: fairer Deal, oder?

Die Zeit-Diebe sind unsere Freunde geworden. Momo hingegen ist auf die dunkle Seite gewechselt und spukt als Kinderschreck durchs Internet. Verkehrte Welt, diese Gegenwart, in der wir leben – im nicht mehr ganz so jungen und schon gar nicht unschuldigen 21. Jahrhundert.

Ein Jahr, das dein Leben verändern kann

Mein erster Blogbeitrag zu dem Buch Die vier Säulen der Lebensbalance erschien im Januar des Jahres 2020 (hier) – als Auftakt einer Reihe mit dem Titel: Ein Jahr, das dein Leben verändern kann. Wie recht ich damit behalten sollte. Entnommen war der Titel aus besagtem Buch.

Hier mein dazugehöriger Videobeitrag vom 1. Januar 2020. Wenn du selbst lernen willst, wie sich Wissen via Video vermitteln lässt, hier mein Onlinekurs dazu.

In dem Ratgeber von Münchhausen geht es um Zeit und wie wir sie uns einteilen können, um alle Lebensbereiche im Gleichgewicht zu halten. Mir selbst hilft die Beschäftigung mit dieser Frage ungemein, Klarheit im Kopf zu behalten. Deshalb kehre ich alle paar Monate bewusst zum Thema Lebensbalance zurück. 💭

Die vier Säulen der Lebensbalance erschient 2004. Mir fiel es 2016 in die Hände, zu Beginn meines Studiums. Mein Anliegen war damals, dieses Studium neben Beruf, Beziehung und kreativem Kram geregelt zu kriegen. Es funktioniert bis heute, auch wenn sich meine Lebensumstände geändert haben.

Aus der Beziehung ist eine vierköpfige Familie 👨‍👩‍👦‍👦 geworden, mit dem kreativen Kram habe ich mich selbständig gemacht, und nach dem Bachelor-Abschluss mache ich inzwischen meinen Master, im Studiengang Philosophie im europäischen Kontext.

Tipps: In diesem Blog schreibe ich auch über Vaterschaft, über meine Arbeit im Bereich Content Creation, sowie über Philosophie. Für Tipps zum Studium gibt’s hier ein E-Book.

Lebensbalance als Philosophie

Auch die Beschäftigung mit Lebensbalance ist eine Art Philosophie, wenngleich wesentlich mehr an der alltäglichen Praxis orientiert als die gleichnamige wissenschaftliche Disziplin. Aus eigener Erfahrung kann ich jedenfalls sagen:

Die Beschäftigung mit dem Thema Lebensbalance trägt sehr dazu bei, das eigene Leben zu bereichern, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

Früher oder später entwickelt mancher Mensch, der sich intensiv mit Lebensbalance befasst, sein eigenes Konzept. So ist es mir ergangen, nachdem ich über die Jahre hinweg die Probleme entdeckt habe, die bisherige Modelle für meinen persönlichen Lebensstil haben. 🎨

Doch bevor ich auf diese Probleme zu sprechen komme, hier eine Mini-Rezension des für mich so einflussreichen Ratgebers von Münchhausen. Eine ausführlichere Buchkritik gibt’s im Beitrag vom 1. Januar 2020.


Die 4 Säulen als Lebensbalance-Modell

Die vier Säulen der Lebensbalance ist kurz (hätte ohne Anekdoten sogar deutlich kürzer ausfallen können) und bietet eine so klare Struktur, dass du dich schnell darin zurechtfindest. Es eignet sich als Praxis-Guide, stellt Fragen und gibt Ratschläge für die Suche nach individuellen Antworten.

Die titelgebenden vier Säulen der Lebensbalance sind wie erwähnt: Beruf und Finanzen, Familie und Kontakte, Gesundheit und Fitness, sowie Sinn und Kultur. In dieser Reihenfolge werden die vier Säulen im Buch besprochen. Genau genommen sind es keine Säulen. 🏛

Münchhausens Modell lässt sich als Haus darstellen: Beruf und Finanzen bilden das schützende Dach des Lebensgebäudes, Gesundheit und Fitness sowie Familie und Kontakte »wohnen« darin, während Sinn und Kultur das Fundament bilden (siehe Seite 31 im Buch).

Münchhausen beansprucht für das Konzept keine Originalität. Er nennt als Urheber des Vier-Säulen-Modells jenen Psychotherapeuten Nossrat Peseschkian. Außerdem ist das Modell abgewandelt bei dem Lebensbalance- und Zeitmanagement-Fachmann Lothar Seiwert zu finden.

Anfang 2020 schrieb ich, es brauche keine Fachkenntnisse im Zeitmanagement, »um zu erkennen, was an den vier Säulen so überzeugt«. Ich zitiere mal mein früheres Selbst:

Bei Work-Life-Balance denken viele an ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben. Meist mit dem Ziel, bloß kein Burn-out zu bekommen. Komisch kurz gedacht, denn oft besteht die Mission nur darin, uns zu besseren Arbeitstieren zu machen.

Bei den vier Säulen geht es nicht so sehr um ein Gleichgewicht, als vielmehr eine Ausgewogenheit im Leben als Ganzes betrachtet, über Beruf und Privates hinausgedacht.


Kreative Lebensbalance

2020 ist nicht so lange her. Doch wir wissen ja alle, wie einschneidend das Jahr war. Und ich bin wohl nicht der Einzige, den dieser Einschnitt zum Umdenken angeregt hat. Was ich »damals« noch nicht ahnte, war die gewaltige Bedeutung, die Kreativität in meinem Leben spielt.

Keines der Lebensbalance-Modelle, die mir bisher begegnet sind, hat dem kreativen Schaffen die Bedeutung eingeräumt, die es braucht, um auch dem kreativen Geist in mir wirklich Gleichgewicht zu geben – im Sinne einer mentalen Stabilität: Etwas, woran ich mich festhalten kann.

Ich merkte auch zunehmend, dass ich gar nicht ein Modell suchte, also ein Abbild der Wirklichkeit, sondern vielmehr eine Methode, also einen Weg der Lebensführung.

Eine Methode, die mir nicht nur hilft, mein Leben in die wichtigsten Bereiche einzuteilen, sondern eine Methode, die mir auch den Weg weist, wie ich diesen Bereichen gleichwertig gerecht werden kann – und zwar sowohl analog als auch digital.

Statt eine solche Methode zu finden, habe ich schließlich selbst eine »erdacht«. Ich setze das Wort mal in Anführungsstriche, um etwas weniger großspurig zu klingen. Denn die Methode ist nicht besonders ausgeklügelt oder originell. Stattdessen habe ich versucht, die Dinge so einfach wie möglich zu halten, siehe: Die LIWO-Methode.


Feedback und Fragen wie immer in die Kommentare – und gerne auch Antworten: Was hat dich hierher geführt? Und welches Lebensbalance-Modell funktioniert für dich persönlich bisher am besten?

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