Kreative Lebensbalance

Wie erreiche ich kreative Lebensbalance? Die Beschäftigung mit dieser Frage hat mich zur LIWO-Methode geführt.

Die LIWO-Methode ist ein Weg zur kreativen Lebensführung. Sie dient dazu, eine Balance herzustellen zwischen dem alltäglichen Leben (Life), dem bewussten Sammeln und Ordnen von Material (Input), der kreativen Arbeit (Work) sowie der öffentlichen Wirkung des eigenen Schaffens (Output).

Die Abkürzung LIWO steht also nicht nur für Life-Work-Balance, sondern für ein Gleichgewicht zwischen den vier Kategorien Life, Input, Work und Output. Im Grunde handelt es sich dabei nicht nur um eine kreative, sondern auch eine soziale Lebensbalance.

In diesem Praxis-Guide erfährst du, was die LIWO-Methode ausmacht und inwiefern das Denken in den vier Kategorien das kreative Tätigsein und das soziale Miteinander fördern kann.

📍 Merke: Mit »kreativ« ist hier artistische Kreativität (Creativity mit großem C) gemeint, nicht Alltagskreativität (creativity). Die wohnt allen Menschen inne und gehört zum alltäglichen Leben (Life). Siehe: Was ist Kreativität?

Wenn du selbst keinen derart kreativen Drang spürst, dass du dein Leben darauf ausrichten willst, wohl aber etwas über Lebensbalance im Allgemeinen erfahren magst, kannst du direkt zum Abschnitt Life · das alltägliche Leben springen.

Inhaltsverzeichnis

Der kreative Trieb

Ariadne gibt Theseus den Faden, damit er den Weg zurück aus dem Labyrinth findet, nachdem er den Minotauros besiegt hat. Dieser Teil einer griechischen Sage bildet eine starkes Sinnbild dafür, worauf die LIWO-Methode abzielt.

Das Leben selbst ist ein Labyrinth, in dem wir umherirren, uns im Kampf gegen äußere Ungeheuer und innere Dämonen verlieren. Für Menschen mit dem kreativen Trieb, Werke erschaffen und Wirkung erzielen zu wollen, fühlt sich dieser Kampf verloren an, wenn keine Zeit bleibt, ihren Schaffensdrang auszuleben.

Kreatives Tätigsein ist für solche Menschen wie ein Faden, der raus aus dem Labyrinth hin zum Licht führt. 🧶 Und sei’s nur für den Moment, für eine kurze Weile kreativen Schaffens. Dazu braucht es Raum und Zeit im Alltag.

Das Problem vieler Modelle zur Lebensbalance oder zur Einteilung von Lebensbereichen besteht darin, dass sie die Bedeutung kreativer Tätigkeit außer Acht lassen. Bestenfalls bieten sie eine gute Theorie ohne Anleitung für die Praxis.

📌 Tipp: Mehr zum Thema Lebensbalance allgemein, drei Modellen und Kritik daran im Beitrag Was ist Lebensbalance?

Die Lösung ist eine Methode, die Kreativität und Lebensbalance neu miteinander verbindet. Eine Methode, deren Ziel im Weg selbst besteht. Es geht nicht darum, eine ferne Sache zu erreichen, sondern darum, eine bestimmte Lebensweise einzunehmen.

Eine solche Lebensweise, die es ermöglicht, den kreativen Drang im Alltag auszuleben, will ich im Folgenden vorstellen. Doch vorweg müssen wir ein weiteres Problem anerkennen, dass sich aus dem Grübeln über das Leben und seine Bereiche ergibt.

Top-Down vs. Bottom-Up

Das Nachdenken über Kategorien und Lebensbereiche setzt schnell eine Top-Down-Denkrichtung in Gang: Sich von oben herab eine Ordnung für die Dinge zu überlegen.

Von den Dingen selbst auszugehen und sich zu überlegen, in welche Kategorie oder welchen Bereich diese oder jene Sache passt, das wäre eine Bottom-Up-Denkrichtung.

Beide Denkarten haben je nach Situation und Thema ihre Vor- und Nachteile. Beim Arbeiten in Teams zum Beispiel ist »Bottom-Up« meist das bessere Prinzip. 👥

Bei Menschen mit dominanter Ader, die gerne Regie führen und die Zügel selbst in der Hand nehmen, liegt das Top-Down-Denken hingegen näher an der eigenen Natur.

So geht’s zumindest mir.

In Bezug auf Lebensbalance habe ich die Erfahrung gemacht, dass reines Top-Down-Denken sich rächt. Wir machen dabei Schubladen auf, für die es keine wirklichen Inhalte gibt – und am Ende steht ein kompliziertes Konstrukt ohne Alltagsbezug.

Die LIWO-Methode basiert auf einer Mischung aus beiden Denkrichtungen, Top-Down und Bottom-Up.

Auf oberster Ebene gilt, Top-Down: So wenig Kategorien wie möglich, aber so viele wie nötig, um Klarheit zu gewinnen.

In den Kategorien selbst ergeben sich alle weiteren Bereiche nach dem Bottom-Up-Prinzip, auf Grundlage dessen, was dein individuelles Leben und kreatives Schaffen ausmacht.

📍 Merke: Der Begriff »Kategorie« wird nur für die oberste Ebene verwendet. Zur weiteren Einteilung innerhalb der vier Kategorien ist von »Bereichen« die Rede.


Die LIWO-Kategorien

Dass sich das Leben kreativer tätiger Menschen auf oberster Ebene in vier Kategorien denken lässt (Life, Input, Work, Output), ist ein schöner Zufall, als solcher aber nicht überzubewerten.

Ein schöner Zufall, weil die Vier die Zahl der Jahreszeiten und Himmelsrichtungen ist und auch beim alten Pythagoras schon eine bedeutende Rolle spielte. Aber von solchem Symbolismus wollen wir uns mal nicht blenden lassen.

Beginnen wir mit der ersten und wichtigsten Kategorie, dem alltäglichen Leben (Life). Damit sollten wir uns ausführlicher befassen.

Life · das alltägliche Leben

Leben ist das, was passiert, während du etwas anderes planst.

Dieser Spruch trifft es sehr gut. Unser kreatives Schaffen ist das »andere«, das wir bewusst einplanen müssen und wollen, während sich drumherum der wuselige Alltag abspielt.

Der Alltag und das »Andere«

Natürlich muss auch das alltägliche Leben geplant werden, andauernd sogar und ob du willst oder nicht: Hochzeiten, Reisen, Weiterbildungen und Beerdigungen. All das braucht Planung im Voraus und Organisation im Hier und Jetzt.

Leben ist Organisation – schon seit den ersten Einzeller in der Ursuppe. Organisation ist das Kernelement des Lebens überhaupt. Aber es ist eben nicht jenes »andere«, das du als kreativer Mensch planst.

Zur Erinnerung: Alle Menschen sind kreativ im Sinne von »creativity« (kleines c). Alltagskreativität gehört zum alltäglichen Leben (Life).

Mit dem »anderen« ist das Ausleben artistischer Kreativität (Creativity) im weitesten Sinne gemeint: jegliche Kreation von Werken (Work), die auf Wirkung abzielen. 🎨

Als Kategorie der LIWO-Methode zur kreativen Lebensbalance wird das alltägliche Leben (Life) negativ definiert – das heißt: durch das, was nicht dazugehört, durch besagtes »andere«. Diese Definition lautet wie folgt:

In Kategorie Life fällt alles, was nicht zum kreativen Schaffensprozess gehört. Dieser Prozess besteht aus dem Sammeln von Material zur Inspiration und Weiter-Verwendung (Input), dem kreativen Schaffen selbst (Work) und der Performance oder Publikation von Werken (Output).

Die anderen drei Kategorien sind Teil des kreativen Schaffensprozesses. Dieser ist eingebettet in unser Leben, das als »Super-Kategorie« die anderen drei erst ermöglicht.

Kreative Lebensbalance räumt dem kreativen Schaffen die Zeit und den Raum ein, den ein kreativer Mensch braucht, um sich »erfüllt« zu fühlen. Doch die Lebensbalance an sich betrifft erstmal das alltägliche Leben selbst.

Die Bereiche des Lebens

Die Bereiche des Lebens ergeben sich inhaltlich aus den Besonderheiten der jeweiligen Lebensumstände. Was diese Bereiche im Alltag ausmacht, hängt von dir ab, von deiner individuellen Situation und deinen persönlichen Vorlieben.

Dennoch lassen sich hier wieder vier Bereiche benennen, die wie Behälter zu denken sind: Mit irgendetwas sollten sie angefüllt sein, damit dein Leben in Balance bleibt. 🧘‍♂️ Die vier Bereiche sind, in alphabetischer Reihenfolge:

  • Body
  • Mind
  • Money
  • Time
Der Lebensbereich Body

Der Bereich Body enthält alles, was deine körperliche Gesundheit betrifft. Wenn die beeinträchtigt ist, fällt es umso schwieriger, den Kopf für andere Dinge zu haben.

Und auch Geld und Zeit erscheinen wenig wert, wenn die Gesundheit nicht mitmacht. Das Funktionieren unseres Körpers gewährleistet erst das Leben (living) im biologischen Sinne.

Alles, was du machst, um deine Gesundheit zu erhalten und zu fördern bzw. mit Krankheiten klarzukommen, gehört in den Lebensbereich Body. ❤️

Der Lebensbereich Mind

Der Bereich Mind umfasst deine geistige Fitness. Während die geistige Gesundheit noch in den Bereich Body fällt, ist hier jegliche Art von Bildung gemeint.

Bildung mag nach einem zurückliegenden Kapitel klingen, das seit dem Schul- oder Studienabschluss abgehakt ist. Doch für ein ausgewogenes Leben im 21. Jahrhundert braucht es die Bereitschaft, weiterzulernen.

Alles, was du unternimmst, um deine geistige Fitness durch andauerndes, bewusstes Lernen (learning) zu trainieren, gehört in den Lebensbereich Mind. 🧠

Der Lebensbereich Money

Der Bereich Money sichert deinen Lebensunterhalt ab. Das Lernen in und nach der Schule, ob Ausbildung oder Studium, dient oft dazu, später genug Geld verdienen zu können.

Es geht darum, das Leben der Gegenwart zu finanzieren sowie für die Zukunft vorzusorgen. Deiner eigenen Zukunft sowie ggf. die deiner Kinder bzw. Nächsten.

Alles, was du tust, um zur finanziellen Absicherung von Gegenwart und Zukunft genug Geld zu verdienen (earning) fällt in den Lebensbereich Money. 💶

Merke: Jobs, die in erster Linie dem Lebensunterhalt dienen, sind Arbeit im Sinne von »labour« und dem Bereich Money zugeordnet. Arbeit, die dem kreativen Ausdruck dient (Work) bildet eine eigene Kategorie.

Der Lebensbereich Time

Der Bereich Time umfasst dramatisch gesprochen alles, was jenseits des bloßen Überlebens stattfindet. Dies ist der Bereich, auf den unser Streben nach Glück hinausläuft und in dem wir uns entfalten.

Was wir etwa über das Lebensnotwendige hinaus in die Pflege und Fitness unseres Körpers oder Geistes stecken, bzw. mehr im Beruf erreichen oder mehr an Geld verdienen wollen – die mit all solchen Dingen investierte Zeit fällt in diesen Bereich.

Ebenso Ehrenämter, Familie, Hobbys, Kultur, Reisen, Religion oder Spiritualität, Sinnsuche, soziale Kontakte… was auch immer es ist, womit wir je nach eigenen Umständen und Vorlieben unser Leben anreichern, gehört in den Lebensbereich Time. ⏳

Die Freiheit, über die eigene Zeit bestimmen und sie mit anderen als nur lebensnotwendigen Dingen verbringen zu können und wollen, das macht das spezifisch menschliche Leben aus (being human).

Die Illusion der Balance

Mit einem Gleichgewicht ist nie die exakte zeitliche Balance zwischen den Lebensbereichen gemeint – als müssten wir im Verlauf eines Tages genau sechs Stunden mit je Body, Mind, Money und Time verbringen.

Allein deine körperlichen Bedürfnisse (inklusive Schlaf) nehmen schon den größten Teil eines jeden Tages ein. Meist frisst die Beschäftigung mit dem, was Geld einbringt (Arbeit im Sinne von »labour«), auch eher 7–8 Stunden pro Tag, zumindest unter der Woche.

Bildung hingegen scheint Thema eines Lebensabschnitts zu sein. Der läuft spätestens in den eigenen Zwanziger Jahren aus und kehrt dann allenfalls in Form von Wochenend-Seminaren wieder. Und im Ruhestand fällt Bildung eh unter »Hobbys«.

Was das Zeitfenster (Time) für alles Weitere angeht, den persönlichen Kram und die schönen Dinge des Lebens, sind die Fenster am Anfang weit geöffnet und schließen sich von da an Jahr für Jahr immer mehr, langsam aber sicher.

Als Kinder haben wir »alle Zeit der Welt«. Ab der Jugend steigt der Druck, den Bildung und Beruf mit sich bringen. Das Hustlen beginnt.

Scheinbar haben wir als Rentner wieder »alle Zeit«. Doch damit ist, hart gesprochen, doch nur noch der Rest gemeint, der übrig bleibt. Zumal geprägt von der verstärkten Aufmerksamkeit, die ein alter Körper einfordert.

Perfekte Lebensbalance ist eine Illusion. Es gibt kein Gleichgewicht im Alltag und keines in einem bestimmten Alter, in welchem auch immer du gerade bist.

Das Streben nach Glück

Wenn wir uns im Hier und Jetzt mit Lebensbalance befassen, dann in der Regel, weil uns etwas fehlt. Das Gefühl eines Ungleichgewichts im alltäglichen Leben führt uns zu dem Thema: Irgendetwas kommt zu kurz.

Es ist jenes Streben nach Glück im Kontext des Lebensbereichs Time. Was du mit deiner Zeit gerade machst, ist die Suche nach Lebensbalance – womit, wie wir gesehen haben, keine »Balance« im wörtlichen Sinne gemeint sein kann. Was dann?

Einen gefühlten Mangel in einem oder mehreren Bereichen des alltäglichen Lebens (Life) auszugleichen – das ist es, was Lebensbalance im Allgemeinen anstrebt und allen Menschen, kreativ oder nicht, zu einem ausgewogenen, erfüllten Leben helfen soll.

Eine solche »Balance« zwischen Body, Mind, Money und Time führt bestenfalls dazu, die körperliche und geistige Gesundheit und Fitness sowie genug Geld und Zeit für die Dinge im Leben zu haben, die darüber hinaus zum persönlichen Glück beitragen.

📌 Weiterlesen: An dieser Stelle ist es ratsam, sich darüber klar zu werden, was Glück ist und sein kann. Mehr dazu im Beitrag: Die 3 Arten von Glück. Ebenfalls lesenswert, wenn sich das Ungleichgewicht im Leben allzu groß anfühlt: Einen Neuanfang wagen.

Zur kreativen Lebensbalance

Bis hierher diente der Beitrag einer Annäherung an das Thema Lebensbalance im Allgemeinen. Kreatives Schaffen hat darin, wenn überhaupt, die Bedeutung eines Hobbys, dem wir nachgehen, wenn das alltägliche Leben es zulässt.

Was nun, wenn Kreativität mehr als ein Hobby sein soll? Wenn es kreatives Schaffen ist, das zu unserem Glück beiträgt? Dazu stelle ich im Folgenden kurz und bündig die drei weiteren Kategorien der LIWO-Methode vor.

Abschließend erkläre ich, wie diese Methode durch das Zusammenspiel der Kategorien zu einer kreativen Lebensbalance führt – und damit zu mehr Glück, zumindest wenn kreatives Schaffen das ist, was dich glücklich macht.

Input · das bewusste Sammeln

Where is my mind?

Diese Zeile stammt aus einem Song, den ich erst durch den Film Fight Club kennenlernte, als Teenager. Während ich andere Filme und Lieder meiner Jugend wieder vergessen habe, sind diese Titel geblieben.

Nicht zufällig, sondern weil ich sie als inspirierenden Input bewusst festgehalten habe.

Fight Club steht als Film und Buch in meinem Regal, neben weiteren Werken des Autors Chuck Palahniuk. Einige Zitate von ihm habe ich als digitale Notizen gesammelt, etwa:

Nothing of me is original. I am the combined effort of everyone I’ve ever known.

Frei übersetzt: »Nichts von mir ist originell. Ich bin das Zusammenspiel aller, die ich je getroffen habe« – aller Menschen, Momente und Werke, würde ich hinzufügen.

Gefällt mir besser als die wortgetreue Übersetzung: »Nichts an mir ist originell. Ich bin das Ergebnis der vereinten Anstrengungen aller, die mir je begegnet sind.«

Der künstlerisch-spielerische Umgang mit dem, was uns inspiriert, gehört zum kreativen Schaffen dazu. Siehe dazu auch das Buch Alles nur geklaut von Austin Kleon (hier erhältlich). 📖

Das Andere und das Eigene

Damit uns als kreativen Menschen nie die Ideen ausgehen und wir uns gleichsam erinnern, was und wer unsere Ideen prägt, dafür ist das bewusste Festhalten von Gedanken und Werken anderer wichtig.

Ebenso gehört in die Kategorie Input das bewusste Sammeln und Ordnen von »Rohmaterial«, mit dem sich kreativ arbeiten lässt. Sei’s analog oder digital. 💻

Solches Rohmaterial können eigene Fotos, Skizzen, Ton- und Videoaufnahmen sein. Aber auch Farben, Papier, Schnipsel – je nach Art deines kreativen Schaffens.

In die Kategorie Input fällt all die Zeit, die du mit dem Sammeln, Ordnen und Rezipieren von Dingen verbringst, die dich kreativ anregen oder die du kreativ weiterverarbeiten willst bzw. könntest.

Dein Input steckt den Rahmen des Möglichen ab. Du kannst nur mit dem arbeiten, was du hast.

Diese Kategorie umfasst das Festhalten (capturing) eigenen Materials sowie das Sammeln (collecting) fremder Werke. Es geht um Inspiration und Kollektion für die eigentliche kreative Arbeit, die Kreation.

Work · das kreative Arbeiten

Inspiration is for amateurs,
the rest of us just show up and work.

Wieder frei übersetzt: Inspiration ist für Amateure, der Rest von uns macht sich einfach an die Arbeit.

Dieses Zitat des YouTubers Casey Neistat erinnert daran, was »kreativ sein« eigentlich heißt. Nämlich: kreativ tätig sein – Arbeit im Sinne von »Work«.

Gemeint ist, dass sich professionelle Kreative kaum noch bewusst um Inspiration bemühen müssen. Sie haben meist schon eine klare Vision davon, was sie aus ihrem Input machen möchten. 💡

Denn die Gefahr beim Sammeln und Ordnen von Input besteht darin, sich in dieser Kategorie zu verlieren.

Wir können noch so viel planen und sammeln, uns Sachen anschauen, lernen, lesen, auf helle Momente warten und Methoden der Lebensbalance aushecken… Am Ende des Tages zählt nur das, was wir kreiert haben.

Go to bed when you have finished work – not earlier.

Nochmal Neistat: Geh’ ins Bett, wenn du mit der Arbeit fertig bist – nicht früher. »Fertig« bezieht sich auf das kreative Tagwerk, das du dir vorgenommen hast, ein Pensum. Es geht nicht darum, jeden Tag ein Gesamtwerk zu erschaffen.

In die Kategorie Work fällt all die Zeit, die du unmittelbar mit kreativem Arbeiten verbringst. Das heißt: mit kreativen Werkzeugen im Einsatz.

Diese Kategorie umfasst das Verbinden (connecting) von eigenem Material sowie Anregungen und Eindrücken aus den Werken anderer zum Erschaffen (creating) eigener Werke.

Output · das öffentliche Wirken

Oh, you get love for it. You get hate for it. You get nothing if you wait for it, wait for it, wait!

Diese Zeile aus dem Musical Hamilton kommt besser, wenn du sie hörst, hier (bei 3:45 Min.):

Für kreativen Output gilt, was Hamilton für politische Teilnahme beschwört: Du bekommst Liebe dafür, bekommst Hass dafür, kriegst aber gar nichts ab, wenn du nicht mitspielen willst.

Erst durch die Veröffentlichung (Output) entfalten unsere Werke auch Wirkung. 🎭

Vielleicht scherst du dich nicht um Wirkung. Vielleicht dient dein kreatives Schaffen nur der persönlichen Muße und soll Privatsache bleiben. Kein Problem. Aber auch nicht das, worum es hier geht.

Die Schnittstelle zur Öffentlichkeit ist fester Bestandteil der LIWO-Methode.

Der Kreis schließt sich

Das private Leben (life mit kleinem l) ist eingebettet ins alltägliche Leben (Life) als soziales Miteinander, auf das wir in allen Lebensbereichen angewiesen sind und das uns erst Material (Input) für unser Schaffen (Work) beschert.

Die kreative Lebensbalance basiert auf dem Gedanken, dass der Kreis sich erst schließt, indem wir selbst etwas (Output) zu diesem Miteinander beitragen, das wiederum anderen Menschen, kreativ oder nicht, im Leben behilflich sein kann.

In die Kategorie Output fällt sämtliche Zeit, die du dich dem Ergebnis deiner kreativen Arbeit widmest – von der Performance bzw. Publikation deiner Werke bis hin zum Umgang mit den Reaktionen darauf.

Diese Kategorie umfasst also das Beitragen (contributing) von Inhalten zum öffentlichen Diskurs sowie das Kuratieren (curating) derselben. Dazu gehört auch das Beantworten von Fragen und Kommentaren zu deinen Inhalten.

Disziplin vor Motivation

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, zum Kreativsein brauche es zuerst Motivation.

Was es braucht, ist Disziplin. Disziplin, um dem Kreativen im alltäglichen Leben Raum und Zeit zu geben – und Disziplin, um der kreativen Arbeit dann auch tatsächlich nachzugehen.

Die Inspiration kommt durch den Input – jedoch nicht passiv, durchs bloße Sammeln und Sichten, sondern indem du ein Projekt beginnst und dich proaktiv aus dem Input bedienst.

Die Motivation kommt durch den Output – genauer: das Feedback darauf. Indem du merkst, wie sehr dein Werk das Denken und Leben anderer positiv beeinflussen kann, wirst du motiviert, weiterzumachen.

Doch ehe du weitermachen kannst, musst du anfangen.

Zur Balance gelangen

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Aus Hermann Hesses Gedicht Stufen vom 4. Mai 1941.

Zufall oder Schicksal, jedenfalls hat mich – selbst geboren an einem 4. Mai und damit Sternzeichen Stier ♉ – stets das Stier-Mensch-Mischwesen Minotauros fasziniert. Jene Kreatur aus der griechischen Sage mit Ariadne und Theseus.

Diese Faszination fürchte mich mit im Alter von 14 Jahren nach Athen. Dort ging ich mit einem Freund dem Minotauros auf die Spur und drehte meinen ersten »Erklärfilm«. Es war ein Schulprojekt für den Altgriechisch-Unterricht.

Damals wusste ich noch nicht, was und wer ich mal sein würde. Viel zu oft werden wir das als Jugendliche gefragt, als müsste diese Entscheidung möglichst früh und final fallen.

Stattdessen arbeite ich – wie so viele heutzutage – in einem Bereich, den es in meiner Jugend noch gar nicht gab. Und was mir wichtig ist, das wandelt sich mit jedem Lebensabschnitt.

Was jedoch immer bleibt, ist jener kreative Trieb, der Schaffensdrang. Der hängt irgendwie mit dem Herzschlag zusammen und wird nicht nachlassen, solange die Pumpe noch läuft.

So geht es vielen Kreativen, während andere diesen Drang erst in einem späteren Kapitel ihres Lebens wahrnehmen. So oder so führt uns das zurück zur Frage: Was nun, wenn Kreativität mehr als nur ein Hobby sein soll?

Die LIWO-Methode in Anwendung

Die LIWO-Methode bietet mir eine klare Sicht auf die Dinge, um meinem kreativen Schaffen nicht nur als Hobby in einem Teilbereich meiner freien Zeit (Time) zu frönen, sondern den kreativen Spielraum zu vergrößern.

Erstens kann das Kreative auf andere Teilbereiche meiner Freizeit übergreifen. Neben Hobbys nannte ich als Beispiele: Ehrenämter, Familie, Hobbys, Kultur, Reisen, Religion oder Spiritualität, Sinnsuche, Soziales…

Viele dieser Teilbereiche lassen sich mit dem kreativen Schaffen kombinieren.

Sei es, dass ich bei Familien-Ausflügen, im Kino oder auf Reisen bewusst Input für kreative Projekte sammele. Sei es, dass mein kreativer Output mich mit neuen Leuten ins Gespräch bringt, zu sozialem Austausch anregt.

Zweitens kann das Kreative andere Lebensbereiche kapern. So lässt sich der Bereich Mind in den Dienst der Kreativität stellen, indem die Weiterbildung genau denjenigen Tätigkeiten und Themen gilt, die das eigene kreative Schaffen befördern.

Das Kreative kann soweit »professionalisiert« werden, dass es im Bereich Money zur tragenden Säule wird. Dann wird selbst die Arbeit für den Lebensunterhalt (labour) im Wesen zur kreativen Arbeit (Work) – wenngleich der nötige Papierkram drumherum natürlich lästige »labour« bleibt. 😅

So gelingt es, kreativ tätig zu bleiben oder werden, und zwar »neben«, oder passender: durch Beruf, Familie, Studium und was dich sonst umtreibt.

Von der Methode zum System

Als ich in der Pandemie den Stillstand nutzte, um ein altes Problem zu lösen – die bestmögliche Organisation und Verwaltung meiner Dateien – da rückte mir jenes Schulprojekt in Athen wieder ins Gedächtnis. Denn die »Datei« (file) geht begrifflich auf das Lateinische fīlum zurück – der Faden. 🧶

Und siehe da: Die LIWO-Methode lässt sich auch sehr gut aufs Digitale übertragen, dann als ein System zur Dateiverwaltung.

Das LIWO-System bietet eine Struktur zur Dateiverwaltung für Kreative, die größtenteils digital tätig sind und im Zuge dessen Hunderttausende Dateien managen müssen.

Wie dieses System funktioniert, dazu ein andermal mehr.

Fazit zur LIWO-Methode

Die LIWO-Methode versteht sich als Mindset für kreativ tätige Menschen (»creator’s mindset«). Bestenfalls gibt sie etwas Halt und Orientierung in schwierigen Zeiten.

Wenn es mir etwa an Inspiration fehlt, weiß ich, dass mein Input zu kurz kommt. Mangelt es mir an Motivation, dann wird es Zeit für neuen Output.

Beides führt mich zur kreativen Arbeit (Work) der ich damit automatisch mehr Raum und Zeit im Leben gebe, mehr Bedeutung beimesse. Das ist das Ziel.

Kreatives Schaffen bleibt etwas, das rein im Privaten stattfinden kann, als schönes, schöpferisches Hobby. Oft auch als Ablenkung vom Irrsinn dieser Welt.

Aber gerade die Sorge ums Weltgeschehen lässt Kreativität doch im größeren Kontext sehen. Sie kann ein Hebel gegen Ohnmacht sein, ein Mittel, um mehr Freiheit zu erlangen und Selbstwirksamkeit zu spüren. Wofür auch immer das gut sein mag. Schlecht ist es bestimmt nicht.

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