Wie schreibst du eine richtig gute Filmkritik? · Leitfaden

Wie schreibst du eine Filmkritik? Darum geht es hier nicht. Wie schreibst du eine richtig gute Filmkritik? ✍️ So. Der ultimative Guide zum Schreiben einer Filmkritik nimmt jeden Aspekt dieser besonderen Textgattung unter die Lupe. Nachfolgend findest du eine Anleitung – Schritt für Schritt eine Filmkritik schreiben – mit Praxis-Beispielen, Tipps, Links zu hilfreicher Lektüre und mehr. Alles auch als Kurzfassung. Viel Spaß! | Lesezeit: 39 Min.

FILMKRITIK SCHREIBEN 101

Es ist der Alptraum so ziemlich aller Filmschaffenden: Wenn Menschen aus dem Kino spazieren, »na, wie fandste den Film?« – »Gut, du?« – »Joa, noch was essen?« …und das war’s. 😐 Ende der Rezeptions-Geschichte. Sogar Filme, die den Zweck reiner Unterhaltung von der Dauer ihrer Laufzeit anstreben, möchten doch wenigstens besprochen werden, bestenfalls weiterempfohlen.

Täglich stellen Streaming-Portale Dutzende neue (und alte) Filme zur Verfügung (mehr dazu: Filme online schauen · Link folgt). Laut Statista wurden im Jahr 2019 allein in den USA und Kanada 786 Filme produziert, 2018 waren es sogar weit über 800 Streifen. Bei so viel Content, wie Kulturgut (by the waywas ist Kultur?) heutzutage heißt, läufst du Gefahr, die liebe Lebenszeit mit mäßigen Filmen zu verschwenden. Es gibt genug Meisterwerke da draußen, um jeden Abend vom Feinsten unterhalten zu werden! Um die Spreu vom Weizen trennen zu können, ist es wichtig, dass manche Menschen sich intensiver mit dem Medium beschäftigen – und Filmkritiken schreiben.

Aufgabe der Filmkritik

Filmkritiker*innen erfüllen die wichtige Aufgabe, ihren Mitmenschen zu raten, welche Filme ihre kostbare Zeit wert sind. Deshalb ist der folgende Guide zum »Filmkritik schreiben« so detailliert gehalten. Hier soll das Handwerk gebührend vermittelt werden. Das wird etwas länger dauern. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, sich einen Kaffee zu ziehen und eine gemütliche Leseecke aufzusuchen. ☕️ Los geht’s!

🔹 Oh, du wolltest nur fix ne Filmkritik für die Deutschstunde übermorgen schreiben? Muss nicht richtig gut werden, aber sehr gut mit Sternchen wäre schon schön? Folge den grünen Kästen, darin findest du das Wichtigste in Kürze. Musst du für Englisch eine Filmkritik schreiben? Dann schau mal in den Absatz Filmkritik schreiben auf Englisch, weiter unten.

Was ist eine Filmkritik?

Eine Filmkritik ist eine »kritische Besprechung eines Films in einer Zeitung, Zeitschrift«, schreibt Duden auf seiner Website, weshalb wir mal ergänzen: oder im Web. Eine Filmkritik kann eine Analyse mit akademischem Anspruch für ein Fachpublikum sein, ein Blogbeitrag mit persönlichem Anstrich, oder irgendwo dazwischen, als ausgewogener Text mit subjektiver Bewertung gestützt auf objektiven Beobachtungen.

☝🏽 Definition: Eine Filmkritik ist eine persönliche Beurteilung anhand von Beispielen mit Bezug auf technische und thematische Bereiche eines Films.

Merke: Kritisch ist nicht gleich kritisierend. Es geht bei einer Filmkritik nicht darum, unbedingt Mängel an einem Film zu finden. Kritik ist hier als prüfende Beurteilung und deren Formulierung in eigenen Worten gemeint, im Sinne einer Rezension. Das Wort stammt aus dem Griechischen, kritiké – die Kunst der Beurteilung. 🧐 Kurz gesagt:

Eine Filmkritik ist eine wohl-balancierte Vereinigung einer persönlichen Meinung über einen Film samt kritischer Analyse seiner technischen & thematischen Aspekte.

Answershark

🔸 Natürlich können die formalen Maßstäbe und Richtlinien einer Filmkritik auch auf andere audio-visuelle Medien angewandt werden: Kurzfilme, Serien, Musik- und Webvideos etc. In den gelben Kästen findest du Hinweise zu format-bedingten Besonderheiten.

Warum eine Filmkritik schreiben?

Abgesehen davon, dass du deinen Mitmenschen damit den Dienst erweist, ihre Freizeit sinnvoller zu verplanen: Was hast du selbst davon? Warum solltest du eine Filmkritik schreiben wollen?

Das Schreiben einer Filmkritik schult nützliche Fähigkeiten. Wer Übung mit dieser Textgattung hat, weiß Eindrücke zu verarbeiten, zu vermitteln und die Urteilskraft zu schärfen. Das Schreiben über Filme fördert somit die »Selektions- und Beurteilungs-Kompetenz«.1 Nicht umsonst wird Schüler*innen und Studierenden oft abverlangt, sich einfach mal an einer Filmkritik zu versuchen.

Filmkritiken ermöglichen einen Einblick in das kritische Denkvermögen junger Köpfe – und ihre Fähigkeit, Dinge schriftlich wiederzugeben. Deshalb werden Filmkritiken gerne in Schulen und im Studium behandelt. Auch geben viele Filme Anstoß zu Gedanken über »echte« Begebenheiten, sodass auch diese Reflexion interessant sind. Und nicht zuletzt kann es Schüler*innen ja durchaus einfach Spaß machen, sich näher mit Filmen zu beschäftigen.

Vorbereitung und Vorgaben

Textgattung kennenlernen

Der erste Film des Regisseurs Richard Linklater (Boyhood) trägt den schönen Titel: It’s Impossible to Learn to Plow by Reading Books (1988). Zu Deutsch: Es ist unmöglich, das Pflügen zu lernen, indem du Bücher liest. Für viele Bereiche trifft diese schöne Zeile zu – doch fürs Schreiben nicht. (Apropos: Hier geht’s zum Leitfaden Wie du ein Buch liest.)

Im Gegenteil: Es ist nur möglich, das Schreiben zu lernen, indem du liest. Das gilt auch für Filmkritiken. Um diese Textgattung zu beherrschen, musst du sie begutachten. Lese Filmkritiken mit folgenden Fragen im Hinterkopf:

  • Was macht die Filmkritik für mich hilfreich, interessant, öde?
  • Was habe ich durch die Lektüre über den besprochenen Film gelernt?

Lese Filmkritiken! Wenigstens ein paar, um dich auf deine erste eigene Kritik vorzubereiten – und lies so viele du kannst, wenn du das Handwerk richtig lernen willst. Weiter unten findest du eine Auswahl lesenswerter Film-Fachleute. Weitere Filmkritiken gibt’s hier in der Cinemathek. 📺

Filmkosmos erweitern

Es hilft ungemein, wenn du die Filme kennst, zu denen du die Filmkritiken liest. So kannst du nachvollziehen, worauf die Texte den Fokus legen – und welche Aspekte ausgeblendet werden. Ebenso bist du viel mehr im Thema, wenn du die besprochenen Namen und Werktitel zu deinem eigenen Filmkosmos in Relation setzen kannst. Daher gehört zur Vorbereitung zum Filmkritik-Schreiben:

Schaue viele Filme! Klassiker und Kultfilme sind oft die Ausnahmen, welche die Regeln der Filmkunst bestätigen, welche sich auch in zahlreichen weniger berühmten Filmen finden. Je mehr Filme du kennst, desto besser ist dein Gespür für diese Regeln. (Aber! Wenn du übermorgen deine Filmkritik als Schularbeit einreichen musst, ist das hier keine Einladung zur Prokrastination: den To-Do-Punkt Filme schauen kannst du auf später verschieben, ist jetzt eh zu spät 🙈)

Es gibt einige Werke der Filmgeschichte, die für Filmkritiker*innen besonders lehrreich sind. Dazu gehören etwa Meilensteine, auf die viele spätere Filme Bezug nehmen, wie 2001: Odyssee im Weltraum (1968) von Stanley Kubrick; Meisterwerke des Storytelling, wie Das Piano (1993) von Jane Campion; oder Genreperlen, die ein Echo in jüngster Popkultur finden, wie Jennifer Kents Horrorfilm Der Babadook (2014). Hier geht’s zu einer Auswahl relevanter Filmlisten. (Link folgt)

Fragen zur Form

Was die Form einer Filmkritik anbelangt, wirst du überall darauf hingewiesen, dass es keine allgemeinen Vorgaben gibt, wie du eine Filmkritik schreiben muss. Stimmt natürlich: Aufbau, Inhalt, Länge und Tonfall von Filmkritiken variieren stark, je nach Zielgruppe.

Zielgruppe: Für wen schreibst du?

Das Hauptkriterium, nach dem sich deine Kritik richten sollte, liegt im Nutzen fürs Publikum. Schreibst du für Kinder? Dann verwende eine leichte Sprache. Schreibst du für Filmfans? Dann schlag’ mit Referenzen und Insider-Wissen um dich. Schreibst du für ein Fachpublikum? Fokussiere dich auf die relevanten Aspekte des Films in Bezug aufs jeweilige Fach, sei es aus der philosophischen, religiösen oder sozialpolitischen Ecke. Oder schreibst du für Eltern? Für eine seriöse Zeitung? Für einen weniger seriösen Blog? 🙃

Beachte deine Zielgruppe und was diese lesen will. Schreibst du etwa für Lehrer*innen? Dann keine wilden Experimente, sondern schlicht gutes Handwerk nach Schema F – siehe dazu den Absatz weiter unten: Wie schreibt man eine Filmkritik? · Schritt für Schritt.

Mindest-Anforderungen: Was muss rein?

Egal, für welche Zielgruppe zu schreibst, gewisse Anforderungen solltest du für ein anspruchsvolles – und damit lesenswertes – Ergebnis einhalten. Die vier Ansprüche an eine Filmkritik lauten:

Informiere: Wichtige Details zum Film (die Beteiligung großer Stars, die Verwendung neuster Technik, Dreharbeiten unter besonderen Bedingungen etc.) solltest du nicht zurückhalten. Stolpern deine Leser*innen erst in einer anderen Kritik über den Hinweis, dass in The Rider (2017) echte Familien-Mitglieder statt Schauspiel-Profis vor der Kamera stehen, fragen sie sich, warum du davon nichts geschrieben hast? Es ist eine spannende Info. Manche Filme können mit einiger Detail-Kenntnis erst ihre volle Wirkung entfalten. So achten weniger film-affine Menschen womöglich nicht darauf, dass Victoria (2015) ohne einen einzigen Schnitt gedreht wurde – weißt du es aber, ist der Film umso krasser!

Analysiere: Eine reine Handlungs-Wiedergabe ist keine Filmkritik – nimm verschiedene Aspekte des Werks in den Blick und gehe ein wenig in die Tiefe. Mehr dazu in der Anleitung weiter unten.

Filmkritik schreiben · vier Ansprüche

Überzeuge: Liefere gute Argumente und Beispiele, damit Andere deine Gedanken nachvollziehen können. Eine möglichst fehlerfreie, stilsichere Sprache trägt zur überzeugenden Wirkung deines Textes bei.

Unterhalte: Selbst so tieftraurige Filmdramen wie Manchester by the Sea (2016) flechten ein wenig Humor in ihre Geschichte ein (hier in der Figur von Lucas Hedges als Teenager, der sich von Date zu Date mit nicht voneinander wissenden Freundinnen fahren lässt). So ganz ohne Lachen macht das Leben (und das Lesen) keinen Spaß, also bring ruhig deinen persönlichen Humor ein.

Beachte die vier Mindest-Ansprüche: informieren, analysieren, überzeugen, unterhalten. Letzteres gilt nicht minder für Lehrer*innen als Zielgruppe – sind ja auch nur Menschen, von denen manche zwar zum Lachen in den Keller gehen, aber vielleicht ist genau dort ihr bevorzugter Leseplatz. 🤓 

Textlänge: Wie ausführlich darf’s sein?

MovieFilmReview empfiehlt 600-700 Wörter, AnswerShark sagt 1000 Wörter, das TWP Writing Studio schlägt 600 bis 1200 Wörter vor – kurzum: Es gibt keine feste Vorschrift. Nur als Richtschnur:

  • Kurze Filmkritik: 350-500 Wörter
  • Mittellange Filmkritik: 500-700 Wörter
  • Lange Filmkritik: 700-1200 Wörter

Pro-Tipp: Eine kurze Filmkritik kannst du jedem Film widmen, den du siehst – und sei’s nur für deine persönlichen Notizen, auf die du später immer zugreifen kannst. So behältst du Filme besser in Erinnerung und kriegst richtig Übung, das heißt: Das Schreiben wird dir auch zunehmend leichter von der Hand gehen. 📝

Bevor wir nun in die Anleitung übergehen, noch ein Hinweis: Die Analyse eines Films ist nah verwandt mit der Analyse von Literatur – nichtsdestotrotz, Filme sind multimedial. Sie basieren (in den meisten Fällen) auf einer literarischen Vorlage, dem Drehbuch, das zuweilen selbst die Adaption eines Comics oder Romans ist. Doch Filme erzählen die darin vorliegende Geschichten in bewegten Bildern, mit Unterstützung von Kameratricks, Kulissen und Musik. Um das emotionale Erlebnis zu verstärken, werden verschiedene Finessen und Sinne berücksichtigt.

Dementsprechend komplexer ist die Beschreibung eines Films. Daraus ergibt sich, zum Beispiel, folgende Warnung:

Laufe nicht in die typische Falle für Anfänger*innen, indem du dem Film historische Fehlgriffe bei den Kostümen vorwirfst. Viele Filme nutzen solche Fehlgriffe bewusst für bestimmte Stilisierungen.

AnswerShark

Wie schreibst du eine Filmkritik?

Eine großartige Filmkritik kann für sich genommen ein Kunstwerk sein.

wikiHow: Eine Filmkritik schreiben

Eine Filmkritik schüttelst du nicht einfach aus dem Ärmel. Die Arbeit an einem gehaltvollen Text kann Tage (und Nächte, die du drüber schläfst) andauern. Die vier Schritte zur fertigen Filmkritik sollen im Folgenden besprochen werden.

  • Sichtung
  • Recherche
  • Bewertung
  • Schreiben

Schritt 1: Sichtung des Films

Vor der Sichtung

Versuche, im Vorfeld nicht viel über den Film zu lesen oder gar Ausschnitte zu sehen. Es gibt Filmkritiker*innen (mich eingeschlossen), die sogar Filmtrailer zu meiden versuchen, so gut es nur geht – bei aggressiven Marketing-Kampagnen ein schwieriges Anliegen. Trailer sind eine Kunst für sich, aber sie haben (das ist der Sinn ihrer Sache) einen großen Einfluss auf die Erwartungshaltung. Das kann dem ersten Eindruck schaden – zumal viele Trailer reinste Zusammenfassungen der wichtigsten plot points, also Handlungspunkte, von Filmen sind.

Wozu du die Zeit vor der Sichtung desjenigen Films, über den du schreiben möchtest, allerdings sehr gut nutzen kannst: andere Werke der daran beteiligten Filmschaffenden vor und hinter der Kamera schauen. Das erweitert deinen Horizont und lässt dich den eigentlichen Film konkreter beurteilen – zwei Beispiele:

  • Tauchen Motive und Themen auf, die schon in früheren Filmen der Regisseurin eine Rolle spielen?
  • Sind die Hauptfiguren gegen den Strich besetzt, mit Schauspieler*innen, die du aus ganz anderen Rollen kennst?

Bei Serien ist es selbstredend sinnvoll, vorausgehende Staffeln zu kennen. Aber auch bei Musikvideos lohnt es sich, mal das Œuvre zu checken. Nicht nur das der Musik-Stars und ihren vorherigen Videos, sondern auch, was auf Seiten von Regie, Kamera oder Kostümbild für Projekte vorausgegangen sind. Falls das Video durch eine besondere stilistische Handschrift geprägt ist, wem gehört sie?

Während der Sichtung

Das erste Mal vergisst du bekanntlich nie (na ja, bei Filmen manchmal schon, dazu gleich mehr). Jedenfalls solltest du das erste Mal genießen. Lehne dich zurück und lasse dich auf das Filmerlebnis ein, an einem Stück, so wie das Werk die meisten Menschen sehen werden. Keine Notizen, keine Pausen, um »eben was nachzuschauen«. Und Finger weg vom Smartphone! Bei Filmen wie Fight Club (1999) kann das Verpassen von Sekunden wichtige Beobachtungen kosten.

Möglicherweise fallen dir nun Details auf, die im Kontext anderer Werke der beteiligten Künstler*innen hervorstechen. Dann hat sich die Vorbereitung vor dem Sichtungsprozess gelohnt!

Nach der Sichtung

Nun bloß keine Zeit (und kostbare Gedanken) verlieren: Direkt nach der ersten Sichtung des Films solltest du dir erste Notizen zu deinen Eindrücken machen. Diese sind später mithin die wichtigsten für deine Bewertung. ⭐️

Also, der Reihe nach: Vor dem Film möglichst Kritiken und Trailer meiden, während des Films das Erlebnis genießen und nach dem Film direkt Notizen machen.

Schritt 2: Recherche der Infos

Eckdaten sammeln

Ran an die Datenbanken, ob IMDb oder Wikipedia (besser: beides oder weiteres, jede Info will doppelt gecheckt werden). Hier einige wichtige Eckdaten, die zum Schreiben einer Filmkritik vorliegen sollten (welche davon in die Filmkritik einfließen, dazu mehr unter Schritt 4).

  • Namen wichtiger Beteiligter (Drehbuch, Kamera, Regie, Besetzung der Hauptrollen – wer spielt wen?)
  • Erscheinungsdatum und -umstände (Festival, Kino, VoD)
  • Produktionsland und -geschichte (die zuweilen spektakulärer sein kann, als dem Film anzusehen ist)
  • Einspiel-Ergebnisse, Besuchs- oder Klickzahlen, falls einsehbar und bemerkenswert – auch der Pressespiegel lässt sich querlesen, wobei manch Filmkritiker*in davon absieht, um einen unverfälschten Eindruck zu behalten.
  • Wichtige Filmpreise

Handlung erfassen

Es hilft auch, in Vorbereitung der Kritik, die Filmhandlung in eigenen Worten zu beschreiben – ohne wichtige Wendungen oder gar das Ende vorwegzunehmen. Auf diese Weise kannst du sichergehen, dass du den Film richtig verstanden hast. Ein paar Fragen zur Orientierung.

  • Wann und wo spielt der Film? Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft; Großstadt, Gebirgsdorf, fremder Planet?
  • Was sind die großen Themen des Films?
  • Wer erzählt die Geschichte? Gibt es eine klare Erzähl-Perspektive, einen Point-of-View oder eine Off-Stimme?
  • Um welche Hauptfiguren geht es und was tun sie, um die Handlung oder den Konflikt des Films loszutreten?
  • Ist der Konflikt ein innerer Kampf, den Charaktere mit sich selbst austragen (Ängste, Zweifel), oder ein äußerer Kampf, den die Figuren bestreiten (mit konkreten Gegnern oder Katastrophen)?

Oft handelt es sich um eine Mischung aus beiderlei Konflikt-Arten, wobei es hilft, sich über das Mischverhältnis Gedanken zu machen. Falls nötig, solltest du dir auch Klarheit über das Genre verschaffen: Was will der Film sein, Krimi oder Komödie? Auch hier: die Mischung macht’s!

Sammele einige Daten und Namen zum Film, damit du Futter für deine Kritik hast und freier darüber schreiben kannst, weil du im Thema bist. Hilfreich: Die Handlung grob zusammenfassen, in eigenen Worten. Damit leistest du auch schon Vorarbeit für einen späteren Schritt!

Schritt 3: Bewertung des Werks

Du hast deinen ersten Eindruck und allerlei Infos. Nun geht es an die Bewertung des Werks. Wie in der Rede vom »ersten Mal« schon angeteasert: Ein Film verblasst zuweilen im Gedächtnis, erst recht, wenn du sehr viele schaust. Daher kommt hier unweigerlich die dringende Empfehlung, den Film ein zweites Mal zu sehen.

Zweite Sichtung · Pro

Einen Film zu drehen, dauert Jahre – da ist es nicht zu viel verlangt, dass wir uns für die Filmkritik ein paar Tage Zeit nehmen. Bei einer zweiten Sichtung hast du die Möglichkeit, einen Film in all seinen Facetten zu erfassen und analysieren, den Fokus auf bestimmte Aspekte zu legen, Pausen und Notizen zu machen. In der zweiten Sichtung besteht der erste Schritt zu einer professionellen Betrachtung eines Films. Jetzt hast du auch die Gelegenheit, den Film mal im Originalton zu sehen (ggf. mit Untertiteln), falls du ihn zuvor mit deutscher Synchro erlebt hast.

Wohlgemerkt: Ein zweites Mal macht nur Sinn, wenn du bereit bist, womöglich deine Meinung zu ändern! Das TWP Writing Studio empfiehlt sogar, einen Film dreimal zu sehen (oder wenigstens wichtige Szenen nochmal genauer zu betrachten) – und es schlägt zwei weit gefasste Kategorien von Aspekten auf, die du beachten magst:

  • Technische Dinge wie Kameraarbeit, Licht, Schnitt, Sound etc.
  • Thematische Inhalte und Diversität

Schau dir den Film ein zweites Mal an und mache dir Notizen zu interessanten Details oder Szenen. Die Bewertungskriterien dazu gibt’s weiter unten.

Zweite Sichtung · Contra

Filmblogger Tyler Schirado plädiert dafür, einen Film nur einmal zu sehen, weil jede weitere Sichtung die Beurteilung beeinflusst. Mit genau demselben Argument verteidigen indes die meisten Anleitungen, einen Film zweimal zu sehen und so ein fundierteres Urteil zu fällen. Am Ende ist es eine Zeitfrage.

Heute gibt’s zu viel von allem, weshalb sich eine Ausnahme bei Serien anbietet: Da bietet sich die erste Staffelhälfte für Schritt 1 und 2 an, die zweite Staffelhälfte dann für Schritt 3 – den genaueren Blick zur Bewertung des Werks. (Wobei es natürlich genug grandiose Serien gibt, die unbedingt einen zweiten Blick wert sind – wie Game of ThronesHow to Sell Drugs Online (Fast)Six Feet Under uvm. · und Serien, die sich ob ihres Konzepts dieser Ausnahme entziehen – wie die Anthologie-Serien Black Mirror und Love, Death & Robots).

Es gibt Filme, die trotz jahrelanger Produktionszeit die anderthalb bis zwei Stunden ihrer Spieldauer nicht wert sind. Ich plädiere dafür, dass du dermaßen miese Filme kein zweites Mal siehst, sondern dich schon in der zweiten Filmhälfte auf konkrete Beispiele für dein nicht mehr zu rettendes Urteil konzentrierst. 🤬

Kriterien zur Bewertung

Nachfolgend einige Kriterien für deine Bewertung des Werkes – wie gesagt: bestenfalls auf Grundlage bzw. im Zuge einer zweiten Sichtung. So kannst du bestimmte Aspekte in den Blick und unter die Lupe nehmen, die du in deiner Filmkritik thematisieren möchtest.

  • Notiere dir atemberaubende Szenen, Schlüsselmomente, bemerkenswerte Details, das sind Dinge, die dir später als Starthilfe zum Schreiben helfen.
  • Technische Details am Beispiel vom Filmlicht: Wie wird damit gearbeitet, die Aufmerksamkeit gelenkt, die Stimmung betont? Werden besondere Effekte oder Lichtfarben eingesetzt?
  • Inwiefern tragen CGI (Computer Generated Images), Filmmusik & Schnitt zur Wirkung des Films bei, oder fallen sie störend auf? Sammele Beispiele.

Theoretisch kannst du auf alles achten, was ein Film irgendwie hergibt. Praktisch fehlt die Zeit dazu. Also überlege dir vor der zweiten Sichtung, welche zwei Themen du in deiner Filmkritik genauer besprechen willst (z.B.: Schauspiel und Musikeinsatz, oder Drehbuch und Kameraarbeit). Auf diese Aspekte achtest du dann beim zweiten Hinschauen besonders. Zur Inspiration, welche Kriterien du beachten kannst, check mal ausnahmsweise die Liste unterhalb dieses grünen Kästchens.

Checkliste

Hier ein paar Punkte aus der Checkliste von Tyler Schirado, der – wie gesagt – Filme zwar nur einmal schaut und dabei etwa auf folgende Kriterien achtet:

  • Ist die Story glaubwürdig, interessant?
  • Funktioniert der Klimax (das heißt: die Steigerung der Spannung)?
  • Was ist das Ziel des Films? Unterhalten, unterrichten, ein bestimmtes Thema ins Rampenlicht rücken? Und klappt’s?
  • Mit welchen Symbolen spielt der Film? (So lässt sich bei Forrest Gump die Feder als Symbol fürs Schicksal deuten)2
  • Handelt es sich bei den Rollen um komplexe Persönlichkeiten oder langweilige Stereotypen?
  • Dienen die Spezialeffekte der Story oder reinem Selbstzweck?
  • Wie ist das Tempo des Films? Gibt es Szenen, die sich zu sehr strecken, oder wird die Geschichte angemessen erzählt?
  • Sind die Dialoge glaubwürdig und gerechtfertigt? Passt die verwendete Sprache zu den jeweiligen Figuren?

Begriffe schärfen den Blick

Erscheint dir der Plot vorhersehbar oder originell, öde oder gar unsinnig? Wie steht’s um die Dramaturgie – hält sich das Drehbuch an die klassischen drei Akte? Wenn ja, funktionieren die Plot Points? Und die Kameraarbeit, verschafft sie dir Orientierung? Gibt es gute Establishing Shots, Kamerafahrten, besondere Blickwinkel? Ist der Schnitt flüssig oder abgehackt? Spielt der Film mit einfallsreichen Übergängen, vielleicht ein paar gekonnte Match Cuts?

Die Fachbegriffe sind nicht da, um dich zu ärgern, sondern um deinen filmkritischen Blick zu schärfen. Ob du sie verwendest, sollte von deiner Zielgruppe abhängen – sind das Filmfans oder Lehrende, dann signalisierst du eine gewisse Kompetenz, wenn du die Sprache des Films sprichst.

Wichtige Fachbegriffe aus verschiedenen Bereichen des Films sind, neben den oben (kursiv) verwendeten, etwa: Foreshadowing, High Key, Infodump, Jump Cut, Low Key, Midpoint, Score, Take, On Location… du musst sie nicht an einem Tag lernen. Für den Anfang hilft es, ein bisschen nach Begriffen zu googeln, die dein Interesse wecken – um dann im Film eben das zu entdecken, was diese Begriffe bezeichnen.

Filmlexikon & Serienglossar

Zum Nachschlagen und Recherchieren von Fachbegriffen eignet sich das Filmlexikon der Uni Kiel sehr gut. Es ist mit über 7.000 Beiträgen extrem umfangreich und online frei verfügbar. Einfach mal reinschauen, ein paar schlaue Wörter raussuchen – und im Zuge der zweiten Sichtung darauf achten, was diese Begriffe meinen. So lernst du sie anzuwenden.

Selbst vermeintlich einfache Begriffe wie bestimmte Genres lohnt es sich mal nachzuschlagen. Was ist ein Kostümfilm? Was ist ein Western? Und was ein Subgenre? Wusstest du, dass eine Komödie streng genommen ein Drama ist, nur halt ein lustiges, und die Tragödie hingegen ein trauriges Drama? Die Frage nach dem passenden Genre für die wichtigste Frage relevant: Ist der Film das, was er sein will? Oder weckt er falsche Erwartungen?

Apropos Arrested DevelopmentFachbegriffe für Serien gibt’s natürlich auch, siehe dazu: das Glossar der Serienjunkies.

Die Sache mit dem Marketing

Manchmal kann das Marketing eines Films die Erwartungshaltung massiv manipulieren. Das hat meist negative Auswirkungen. So dachten die Kinogänger*innen, die sich Darren Aronofsky mother! (2017) ansehen wollten, sie würden einen Psycho-Thriller zu sehen bekommen. Unter anderem der Trailer vermittelte im Vorfeld diesen Eindruck. Tatsächlich handelte es sich bei mother! jedoch um einen kunstvoll-metaphorischen Arthouse-Film jenseits dramaturgischer Konventionen. Gestandene Psychothriller-Fans (die Aronofskys Black Swan toll fanden) könnten daran wenig Freude haben. An den Kinokassen floppte der Film dann auch.

Als abschließenden Gedanken, bevor es ans Schreiben geht, solltest du für dich die Frage beantworten, ob du den Film empfehlen würdest – und wem?

Schritt 4: Filmkritik schreiben

Tauchst du nur tief genug ein, kannst du über jeden Film ein Buch schreiben. Aber das ist nicht Sinn der Sache. In der Kürze steckt die Würze, wie es so schön heißt. Deshalb sind Struktur und Themenwahl wichtig, um nicht ins Schwafeln zu geraten. (Mir ist klar, dass dieser Beitrag in Sachen Kürze nicht als bestes Beispiel dient – Kaffee schon alle? Zieh dir ’n Neuen.)

Die Struktur einer Filmkritik lässt sich – nach dem Vorbild von MovieFilmReview – formal in drei Teile und fünf Absätze gliedern: Einleitung (Absatz 1), Hauptteil (Absatz 2, 3, 4) und Schluss (Absatz 5). Kleiner Überblick zum Inhalt der Absätze:

Zur Struktur

  • Einleitung, Filminfos
  • Filmhandlung, Setting
  • Aspekt 1 (über einen Bereich des Films, z.B. Drehbuch, Kamera, Regie, Schauspiel, Schnitt, Musik…)
  • Aspekt 2 (über noch einen weiteren Bereich des Films)
  • Fazit, Empfehlung

Pro-Tipp: Versuche, in deiner Kritik den Ton des Films zu treffen. Das heißt: einen ernsten Film angemessen seriös beschreiben, einen lustigen in passend heiterem Ton. Je nach Werk bietet sich sogar eine zuweilen lyrische oder poetische Sprache an, aber wirklich nur, wenn du dir Poesie zutraust.

Vorweg noch ein Hinweis zur Erzähl-Perspektive einer Filmkritik, die ob ihres subjektiven Inhalts dazu einlädt, in Ich-Form zu schreiben: »Ich finde… / mir gefällt…« – in professionellen Kreisen ist das verpönt. Denn selbstverständlich gibt der Text die Ansichten der schreibenden Person wieder. Bringt diese die Meinungen anderer mit ein, macht sie das kenntlich, durch Namensnennung bzw. Quellenangabe. Insofern ist die Ich-Form nur ein überflüssiger Hinweis auf die schreibende Kraft. Bei einem persönlichen Blog kannst du’s nach eigenem Gutdünken handhaben (so wie ich 😬). Bei anderen Formaten: einfach nachfragen oder im Zweifelsfall davon absehen.

Frag bei der Redaktion (oder Lehrer*in), für die du schreibst, ob du die Ich-Form verwenden darfst, falls du das überhaupt möchtest – ansonsten lass es einfach lieber.

Einleitung

Ein starker Einstieg ist nicht nur für Kriminalromane und Reportagen wichtig, sondern auch für Filmkritiken. Du willst die Aufmerksamkeit deiner Leser*innen gleich zu Beginn gewinnen. Allgemeinsätze über »den packendsten Thriller des Jahres« sind jedoch abgegriffene Werbefloskeln. Da gibt’s bessere Möglichkeiten, zum Beispiel:

  • Bringe ein pointiertes Statement zum Film: After Passion ebnet den Weg in eine neue Filmreihe nach altbekanntem Muster – zumindest der erste Teil überrascht kaum.
  • Liefere eine interessante Info: Die Teenie-Romanze After Passion von Jenny Gage basiert auf einer Story, die über die App Wattpad veröffentlicht und dort eine halbe Milliarde mal gelesen wurde.
  • Stelle einen Bezug zur Gegenwart her: Der technologische Wandel verändert Literaturbetrieb und Filmgeschäft – doch an unseren Erzähl-Konventionen rüttelt er nicht, wie After Passion beweist.

Der erste Satz sollte Lust auf mehr machen. Fang mit einem spannenden Fakt an, einem Bezug zu aktuellen Dingen – oder gib direkt einen Hinweis, ob wir es mit einem grandiosen oder grandios miesen Film zu tun haben.

Absatz 1

Nach einem möglichst spannenden Einstieg sollte der erste Absatz neben Details wie Erscheinungsdatum und den Namen wichtiger Beteiligter folgende Fragen gegebenenfalls beantworten:

  • Basiert der Film auf einer bestimmten Vorlage (Comic, Roman, wahren Begebenheiten)?
  • Ist der Film Teil eines Franchises bzw. einer Reihe, oder ein Remake?
  • Welchem Genre gehört der Film an, richtet er sich an Kinder, Jugendliche – oder ist er eben nicht jugendfrei?

Der erste Absatz sollte enthalten: Jahr des Erscheinenes, Namen wichtiger Leute vor und hinter der Kamera, Genre, Zielgruppe und falls vorhanden, Infos zur Buch-Vorlage oder zum Franchise.

Optional können auch Besetzungen von Nebenrollen genannt werden (etwa wenn bekannte Stars mitmachen), Box-Office-Zahlen (siehe dazu: The Numbers, eine nützliche Datenbank mit Zahlen zu unzähligen Filmtiteln) und Infos zum Setting: Wann und wo spielt der Film? Außerdem hilft es manchen Leser*innen, wenn hinter unbekannteren Namen ein Filmtitel in Klammern steht – sofern der Film sehr bekannt und der Titel nicht zu sperrig ist, um den Lesefluss zu stören. So mögen viele Kinogänger*innen mit dem Namen Jordan Peele wenig anfangen können, mit dem Regisseur Jordan Peele (Get Out) wiederum ein spannendes Leinwand-Erlebnis verbinden.

Relevanz von Details

Ob man Filmpreise nennt, die das jeweilige Werk gewonnen hat, hängt von der Relevanz ab, die du diesen Preisen beimisst (Lesetipp: Why ‚Best Picture‘ Is Now Meaningless – hier schreibt The Daily Beast darüber, weshalb die Oscars an Bedeutung verlieren, weil der Kommerz die Kunst verdrängt). Wenn beispielsweise Greta Gerwig mit Lady Bird im Jahr 2018 als erste Frau nach Kathryn Bigelow (2010) für den Regie-Oscar nominiert wird, dann sagt das durchaus etwas gesellschaftlich Relevantes über die Filmbranche aus.

Inspirierende Fragen für den Einstieg:

  • Behandelt der Film aktuelle Ereignisse, zeitgenössische Probleme oder funktioniert er als Metapher für selbige?
  • Nimmt die Regie mit dem Werk an einem bestimmten Diskurs teil, wenn ja: mit welcher Botschaft?
  • Stimmst du selbst mit der Botschaft überein, oder mit der Herangehensweise des Films an sein Thema?
  • Hast du einen persönlichen Bezug zu diesem Thema?

Letzteres kann für Leser*innen einen interessanten Mehrwert bringen, der sich in anderen Filmkritiken nicht findet. 🦄

These und Meinung

Abschließend sollte der erste Absatz zwei Dinge enthalten, die du auch in einem Satz ausdrücken kannst: 1) eine These zum Film, die du in den folgenden Absätzen beweisen willst – oder alternativ einen Teaser, der etwas andeutet, das sich im späteren Verlauf der Lektüre erklärt, 2) deine Meinung zum Film.

Bringe eine These zum Film, die du in deiner Kritik verteidigst, sowie einen Vorgeschmack auf deine Meinung – ja, gleich zu Beginn. Der erste Absatz sollte zeigen, wohin die Reise geht.

Beides kurz und knackig, Details kommen später, aber Filmfans wollen wissen, ob sie eher eine Lobeshymne oder einen Zerriss vor sich haben. Der Einstieg mag spannend wie ein Krimi sein, doch mit der Auflösung solltest du nicht bis zum letzten Absatz warten. Dazu hilft auch ein plakatives Bewertungssystem mit Punkten, Tomaten oder Sternen, wie hier üblich:

Bewertung: 5 von 5.

Technik-Tipp: Wenn du als WordPress-Blogger*in mit SEO-Ambitionen deine Filmkritik pimpen möchtest, bietet sich ein solches Star-Rating an, das du zum Beispiel mit dem kostenlosen Jetpack-Plugin einbinden kannst.

Beispiel für Absatz 1

Atemlos bis zum Angstschrei*

*Die Überschrift ist nicht zu unterschätzen! Betrachte deine Filmkritik als eigenständiges Werk und gib ihm einen aussagekräftigen und/oder interessanten Titel. Das kannst du allerdings auch ganz zum Schluß tun, wenn du deine Filmkritik schon klar vor Augen hast.

Guter Horror kommt ohne Worte aus – das beweist einmal mehr und auf eigentümliche Weise A Quiet Place. Die Regie-Arbeit des Schauspielers John Krasinski (bekannt aus The Office) feierte am 9. März 2018 seine Premiere als Eröffnungsfilm des renommierten South by Southwest Film-Festivals. Seitdem hat das Werk viel Lob geerntet, von Kino-Publikum und Kritik gleichermaßen. Neben Emily Blunt (Sicario) und Noah Jupe (Suburbicon) ist die gehörlose Schauspielerin Millicent Simmonds (*2003) hier in ihrer zweiten Performance (nach Wonderstruck) zu sehen. Die männliche Hauptrolle übernahm Krasinski selbst – und beweist damit sein Talent im Horror-Genre vor und hinter der Kamera. A Quiet Place (FSK 16) ist ein außergewöhnlicher und kraftvoller Monsterfilm: 4 von 5 Sterne.

Pro-Tipp: Diese Anleitung gibt ein festes Schema für Filmkritiken vor, an das du dich nicht halten musst – finde deinen eigenen Stil. Manche lagern Eckdaten in eine Tabelle neben dem Text aus, andere streuen sie gekonnt durch die Kritik, wie etwa der britische Filmkritiker Anthony Lane.3

Hauptteil der Filmkritik

Bevor es gleich an die eigentliche Kritik geht, solltest du die Leser*innen ins Bilde bringen: Welche Geschichte erzählt der Film? Wenn du es nicht schon im Einstieg gemacht hast, solltest du spätestens im zweiten Absatz das Setting, also Ort und Zeit der Filmhandlung nennen und in eben diese Handlung kurz und gut einführen. Zur Einstimmung hilft es, sich jetzt mal den Trailer des Films anzuschauen.

Hier ist der Trailer zu A Quiet Place:

Absatz 2

Wann und wo spielt der Film, wer sind die Hauptfiguren und was machen sie? Dabei reicht es, vier bis fünf Handlungsschritte hin zum zentralen Konflikt des Films wiederzugeben. Hinter die Namen der Figuren kannst du die Namen der jeweiligen Besetzung in Klammern setzen – eine elegante Art, die Inhaltsangabe um Infos zu bereichern. Die wichtigste Regel lautet: Nicht spoilern! Weder das Ende verraten, noch erste große Wendungen.

Tipps für Spoiler
Wer nicht komplett auf Spoiler verzichten möchte und mit WordPress bloggt, kann das Plugin »Shortcodes Ultimate« von Vladimir Anokhin nutzen, das du hier im Einsatz siehst.

Ziel der Filmkritik

Merke: Das Ziel der Filmkritik soll es sein, Interessierten einen Einblick zu geben, ob ihnen der Film gefallen könnte oder sie sich Geld & Zeit lieber sparen. Die Kritik soll nicht das Anschauen ersetzen.

Im zweiten Absatz fasst du die Handlung kurz zusammen, ohne zu viel zu verraten.

Du solltest klarstellen, ob es sich um einen leisen Arthouse-Film handelt, oder um die jüngste Erweiterung des ständig wachsenden Pantheon hoch-budgetierter Superhelden-Filme. Und ob der Film im China des 9. Jahrhundert oder auf dem Mars spielt. Darüber hinaus tust du den Leser*innen meist keinen großen Gefallen, etwaige Wendungen vorwegzunehmen.

Daniel Potter (Grammarly Blog)

Technik-Tipp: Um deine Kritik für Google zu optimieren – auf den Filmtitel als Suchwort hin – ist es sinnvoll, diesen Filmtitel in der Kritik zu streuen und in jedem Absatz wenigstens einmal zu nennen. In der Inhaltsangabe kannst du das gleich zu Beginn tun: »Film XY spielt in… / erzählt die Geschichte von…«

Beispiel für Absatz 2

Der titelgebende »stille Ort« in A Quiet Place ist eine Farm außerhalb der Stadt, in die Familie Abbott nur schleicht, um Vorräte zu holen. Die Stadt ist menschenleer, so wie ein Großteil der Erde, nachdem eine Alien-Invasion im Jahr 2020 binnen Monaten die meisten Lebewesen ausgemerzt hat. Noch immer streunen die hochgefährlichen, außerirdischen Kreaturen durchs Land, auf der Suche nach Fleisch. Dabei ist ihr extrem gutes Gehör ihr wichtigstes Jagdmittel. Evelyn und Lee Abbott (Emily Blunt, John Krasisnki) dürfen mit ihren drei Kindern keinen Mucks von sich geben – weder auf dem Beutezug in der Stadt, noch auf ihrer Farm. Sie kommunizieren mit Gebärdensprache, die ihre Tochter Regan (Millicent Simmonds) auch wegen ihrer Gehörlosigkeit beherrscht – einer Behinderung, die in dieser Welt tödlich sein kann. Lange gelingt es der Familie nicht mehr, die monströsen Aliens von ihrer Farm fernzuhalten.

Absätze 3 und 4

Ein guter Text erzählt immer eine Geschichte.

Daniel Negenborn (Filmmachen)

Das gilt nicht nur für die Inhaltsangabe, in der die Story des Films zusammengefasst wird, sondern auch für deine Filmkritik, die eine »Geschichte« über den Film erzählt: Wie hast du ihn erlebt? Um diese Geschichte gut zu erzählen, solltest du selbst einen dramaturgischen Bogen beachten und die Meinung oder gar These aus deinem einleitenden Absatz im folgenden gut begründen.

Seien wir ehrlich, die wichtigste Komponente einer Filmkritik ist, wie er dir gefallen hat. Jeder Mensch kann eine Filmzusammenfassung oder Liste der wichtigsten Highlights schreiben. Doch eine gute Kritik vermittelt den Leser*innen, wie der Film auf dich wirkte.

Tyler Schirado (SD Film Fest)

Filmkritische Perspektive

Dazu ist es wichtig, sich auf die stärksten Argumente zu konzentrieren. Bei der zweiten Sichtung konntest du noch Beobachtungen zu allen möglichen Details sammeln. Spätestens jetzt ist es wichtig, viele dieser Details fallen zu lassen und sich nur auf ausgewählte Aspekte zu konzentrieren – diejenigen, über die du am meisten zu sagen (bzw. schreiben) hast. Auf diese Weise kannst du in den nächsten zwei Absätze klare Argumente vermitteln, statt ein verschwommenes Bild aus lauter Beobachtungen zu malen.

Deine Meinung sollte dabei eine besondere sein – eine filmkritische. Diese reicht über den eigenen Geschmack hinaus, um auch anderen Menschen einen guten Eindruck zu geben, ob ihnen der Film gefallen würde. Darren Lambert (SpiritOfBaraka) vergleicht es mit gutem Journalismus: »Die Rezension enthält auch unparteiische Details, sodass sich Leser*innen selbst ihre Meinung darüber bilden können, wie sie zum jeweiligen Thema stehen.«

Betrachte den Film ganzheitlich und stelle deine Vorlieben für ein Genre oder Thema zurück. Bleib nah am Film und beantworte Fragen, zu denen du als Filmkritiker*in eine fundierte Meinung äußern kannst, die andere Menschen aber für sich selbst entdecken können.

Wähle zwei Aspekte, die du in je einem Absatz (3 und 4) konkreter besprichst – z. B. Schauspiel und Filmmusik. Nun kannst du bestimmte Beobachten, Momente oder Szenen einbringen, zu denen du dir Notizen gemacht hast.

Worauf fokussieren?

Inspirierende Fragen für die Kritik:

  • Mutet die Kameraarbeit ambitioniert an? Ist sie statisch und weit oder macht Gebrauch von Handkamera und Nahaufnahmen? Welchen Effekt hat das?
  • Sind die Schauplätze stark in Szene gesetzt? Weißt du dank deiner Recherche vielleicht, ob on location gedreht wurde, an Original-Schauplätzen?
  • Ist der Schnitt des Films fließend, kunstvoll oder hektisch? Gibt es beachtlich lange Einstellungen ohne Schnitt? In Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) ist etwa eine wichtige Szene zu einem gewaltsamen Übergriff als Plansequenz inszeniert.
  • Wird die Farbgebung auf interessant genutzt? So fällt in Drive (2011) die kontrastreiche Verwendung blauer, kalter und gelber, warmer Farben auf – und A Single Man (2009) spielt mit der Sättigung, die stärker wird, wenn die Hauptfigur schöne Momente erlebt.
  • Falls Teil von einem Franchise, fügt sich dieser Film gut ein? Greift er Elemente der Vorgänger-Filme auf, sticht er – wie Harry Potter und der Gefangene von Askaban (2004) – hervor?
  • Ist der Plot nachvollziehbar, witzig, packend? Sind die Inhalte verständlich, das Thema angemessen oder aus besonderem Blickwinkel vermittelt?
  • Unterstützt die Filmmusik die Geschichte, oder drückt sie zu sehr auf die Tränendrüse? Gibt es gar keine Filmmusik – wie wirkt das?
  • Zur Aussage des Films, was will er erreichen? Ist er gesellschaftskritisch, politisch oder gar polemisch? Erreicht er sein Ziel? Hast du etwas gelernt?
  • Sind die Figuren eher Vorbilder oder abschreckend, »schwarzweiß« gezeichnet oder ambivalente Charaktere voller Grautöne?
  • Wie beurteilst du das Schauspiel (passt das Casting, was macht ihn/sie geeignet für die Rolle?) oder die Regie – erkennst du eine künstlerische Handschrift?

Die Rolle der Regie

Über jeden dieser Aspekte ließe sich Vieles schreiben – aber ein Absatz reicht schon. Was du bemerkst, solltest du an konkreten Stellen festmachen, und sei es nur grob: »Im ersten Akt… / In der Filmmitte… / Die Szenen mit…« – wenn du kritisch über die Besetzung schreibst, mach es so, als würdest du zu diesen Menschen direkt sprechen. Schön fair und sachlich bleiben.

Der Fairness halber möchte ich betonen, dass die Rolle der Regie nicht überbewertet werden sollte. An dieser Stelle widerspreche ich der Spiesser-Community, die schreibt: »Alle Entscheidungen im Film lassen sich auf den Regisseur zurückführen« – das entspricht einem Ideal, selten der Realität. Ryan Koo (No Film School) hat das in seiner Besprechung des Films Interstellar (2014) mal sehr treffend formuliert:

Oft basiert Kritik nur auf Annahmen. Wenn eine Kritik die Unzulänglichkeiten eines Films dem Drehbuch zuschreibt, beispielsweise – was ist, wenn es stark umgeschrieben wurde seitens der Regie? Das Kamera-Department kann einer unsicheren Regie wiederum viel Last abnehmen. Die Produzent*innen könnten den Film neu schneiden lassen, nach einem Test-Screening – und ungenannte Autor*innen könnten für grundlegende Änderungen verantwortlich sein.

Ryan Koo

Background-Check

Das soll dir nicht den Wind aus den Flügeln nehmen. Natürlich musst du, um einen Film zu bewerten, Annahmen machen, die du schlecht überprüfen kannst. Doch es schadet nicht, diesen Umstand im Hinterkopf zu behalten. Als kleine Kontrollleuchte, die vor allzu harschen Urteilen warnt.

Es schadet auch nicht, einen kleinen »Background-Check« zur Person im Regiestuhl zu unternehmen, die in der von dir besprochenen Produktion den künstlerischen Hut aufhaben soll. So kannst du schonmal ein bisschen besser beurteilen, wo diese Person in ihrer Karriere steht und wie viel Autorität und Erfahrung sie ins Projekt mitbringt.

Beispiele für Absätze 3 und 4

Obwohl oft als sein Regie-Debüt bezeichnet, ist A Quiet Place nicht der erste Film, den Krasinski inszeniert hat – und nicht einmal der erste, an dem er als Regisseur und Schauspieler beteiligt ist. Dennoch stellt dieser Endzeit-Horror eine besondere Leistung dar und verdeutlicht Krasinskis Ambitionen, in die Fußstapfen großer »Doppelagent*innen« wie Jodie Foster zu treten, sowohl vor als auch hinter der Kamera in wichtigen Rollen aktiv. So spielt Krasinski erstmals die männliche Hauptrolle in seiner eigenen Regie-Arbeit. Das ist eine Herausforderung, der sich Krasinski mit seiner überzeugenden Darstellung eines besorgten, doch nicht hoffnungslosen Familienvaters als gewachsen erweist – auch, indem er sich in den Schatten seiner Schauspielkollegin Emily Blunt stellt. Der Golden-Globe-Preisträgerin gehören die stärksten Szenen in A Quiet Place. Je näher sie dabei den Monstern kommt, desto kraftvoller ist ihr Spiel. Und nicht zu vergessen: Newcomerin Millicent Simmonds beweist hier in ihrer erst zweiten Rolle eine beachtliche Leinwand-Präsenz.

Musik vom Horrorfilm-Maestro

In einem Film, in dem nicht gesprochen werden darf und ein Großteil des Dialogs über Handzeichen vermittelt wird, kommt der Musik eine besondere Bedeutung zu. Während der Auftakt von A Quiet Place noch wort- und klanglos ist, setzt nach den ersten sechs Minuten mit leisen Klavierklängen der Score ein – und klingt vor dem auslösenden Ereignis unmerklich wieder aus. Doch kaum tritt das Grauen in Erscheinung, wird es von einem düsteren Wummern begleitet. Der Soundtrack zu A Quiet Place stammt vom Horrorfilm-Maestro Marco Beltrami (Scream, Carrie, World War Z) und trägt den Film wirkungsvoll über viele schweigsame Szenen – und solche, in denen uns als Publikum der Atem stockt.

Der Schluss

Während es verlockend sein mag, bei manch tiefsinnigen Werken den vielschichtigen Bedeutungen einzelner Bilder und Szenen genau auf den Grund zu gehen, ist eine Filmkritik keine Filmanalyse. »Interpretationen von inhaltlich komplizierten Filmen solltest du, wenn überhaupt, nur anreißen.« – schreibt LizzyNet (ein Info-Portal rund um Medien samt einer Community für Mädchen und junge Frauen). Filmen wie Meshes of the Afternoon (1943) oder Mulholland Drive (2001) wirst du in zwei Absätzen nicht komplett durchleuchten. Da verweise lieber auf weiterführende Lektüre, etwa das Heftchen: Mulholland Drive: Die Entschlüsselung (2013).

Absatz 5

Im letzten Absatz schließt du den Bogen, den du zu Beginn mit deiner These aufgeschlagen hast. (Hier, dass A Quiet Place ein außergewöhnlicher und kraftvoller Monsterfilm sei.) Inzwischen hast du einige »Belege« für deine These geliefert und kannst zu einem Schluss kommen, mit einer klaren Empfehlung. Ist der Film sehenswert? Und wenn ja, für wen? Kinder, Teenager, Singles, Paare, Familien, Genre-Fans, Themen-Interessierten? Der letzte Satz darf, wenn du den literarischen Wert deines filmkritischen Werks heben willst, wieder besonders geschliffen sein.

Nachdem du in Absatz 1 eine These zum Film formuliert und in Absatz 3 und 4 deine Gedanken weiter ausgeführt hast, ziehst du im letzten Absatz ein Fazit. Hier kannst du Beobachtungen unterbringen, die zuvor nicht reingepasst haben – aber ohne ein ganz großes Fass aufzumachen. Stattdessen: zügig zum Ende kommen und eine klare Empfehlung für oder gegen den Film aussprechen.

Beispiel für Absatz 5

Diese kleine Genre-Perle baut nicht nur ungemein Spannung auf, sie liefert auch (anders als der thematisch ähnlich geratene Bird Box) ordentlich ab. Die Konfrontationen zwischen dem starken Ensemble und den faszinierend animierten Monstern sind heftig und werden auch gestandene Horror-Fans begeistern. Die Freigabe ab 16 Jahren ist gerechtfertigt, obwohl der Film deutlich mehr Wert auf Suspense als unnötige Gewalt legt. Daher bietet sich A Quiet Place auch für Jugendliche als toller Einstieg ins Genre an. Für Eltern (besonders: werdende Eltern!) hingegen ist dieser Streifen ziemlich harter Tobak – am besten nur in Begleitung der bereits herangewachsenen Kinder schauen.

Schritt 5: Lektorat

Wenn du die Zeit hast: Lass sacken. Nach ein paar Stunden – oder besser: einer Nacht – liest du deinen eigenen Text mit etwas mehr »Abstand« und siehst Fehler, die dir sonst nicht auffallen. Zunächst solltest du dich um den inhaltlichen Feinschliff kümmern, die Text-Aufbereitung: die Schlüssigkeit deiner Aussagen, die Struktur deiner Kritik, Absätze, Sätze, bis hin zur Wortwahl. Frage dich: Wird meine These hinreichend erklärt? Liefere ich genug Details? Funktioniert meine Filmkritik als eigenständiger Text, den man ohne Weiteres versteht?

Beliebte Fehler

  • Der Text fokussiert sich nicht auf den Film, sondern verliert sich etwa in historischen Details
  • Die Filmkritik konzentriert sich auf irrelevante Aspekte, die für den Gesamteindruck nicht wichtig sind
  • Das Ergebnis passt nicht zur Einführung, womit die Kritik ihre Wirkung einbüßt: Was will sie mir sagen?

Nach der Textaufbereitung kommt das Korrekturlesen – auch dafür gilt: Am besten wieder ein paar Stündchen Abstand gewinnen. Oder noch besser, wenn möglich: Das Lektorat vertrauensvoll an Eltern, Partner*in oder andere »Testleser*innen« übergeben.

In diesem finalen Durchgang geht’s um Kleinkram, der aber die Wirkung deiner Filmkritik maßgeblich beeinflusst – und zwar negativ, leider. Denn Details wie Satzzeichen und Tippfehler sind es, die nicht mehr zur Güte des Textes beitragen. Stattdessen erwecken sie, sofern vorhanden, nur den Eindruck der mangelnden Sorgfalt. Dabei können dir solche Fehler selbst beim dritten Lesen noch völlig durchgehen. Manchmal hilft das Korrekturprogramm der Schreibsoftware – doch allein darauf solltest du dich nicht verlassen.

Fast fertig! Lese deine Filmkritik sorgfältig durch. Achte zunächst auf inhaltliche Dinge: Ergeben deine Argumente Sinn und lieferst du gute Belege? Abschließend überprüfst du deinen Text auf falsche Kommata und andere Details, an denen sich Lehrer*innen gerne stören (das ist ja ihr Job). Und hast du deiner Filmkritik schon einen passenden, einfallsreichen, Oscar-reifen Titel gegeben?

Schritt 6: Veröffentlichung

Deine Filmkritik ist vollendet! Schön. Und nun, wohin damit? Eine durchdachte Filmkritik darfst du als Beitrag zu einer fortwährenden Diskussion betrachten, wie sie über jeden Film mehr oder weniger lebhaft geführt wird – vornehmlich im Internet. Selbst, wenn du deine Filmkritik nur für den Schulunterricht geschrieben hast: Vielleicht möchtest du sie auch als Beitrag »einbringen« und den Online-Diskurs um deine Meinung bereichern. Aber wo kannst du selbst Filmkritiken schreiben? Gute Frage, die natürlich auch schon auf gutefrage.net gestellt hat. Hier eine Antwort dazu:

Moviepilot dürfte da im deutschsprachigen Bereich am bekanntesten sein. Da kannst du Filme mit Noten bewerten, Kritiken schreiben und auch Kritiken anderer kommentieren. Also eigentlich genau das was du suchst.

Ansonsten gibt’s noch: Filmmachen.de, LizzyNet, oder Spießer, sooo viele Möglichkeiten! Auch das Logbuch einer Kulturreise hat natürlich nichts als Liebe für Gastbeiträge übrig. 🤗

Tipps für Filmkritiker*innen

Es gibt nicht über das Lernen an Beispielen. Schon als Kinder lechzen wir nach guten Vorbildern. Und so lernst du auch Filmkritik schreiben am besten durchs Filmkritiken lesen. Die Auswahl der Autor*innen und Texten ist gewaltig, weshalb du dich getrost auf Filmkritiken zu Werken konzentrieren kannst, die du bereits kennst – und kennen solltest du dann bald auch die großen Namen unter Filmkritiker*innen. Kleiner Test:

Sowohl Anthony Lane als auch New York Times Urgestein A.O. Scott wurden inspiriert von der legendären Pauline Kael, die Roger Ebert [in ihrem Todesjahr] 2001 dafür pries, dass sie »einen positiveren Einfluss auf das amerikanische Filmklima hatte, als irgendeine andere Person in den vergangenen drei Jahrzehnten.

Daniel Potter (Grammarly Blog)

Kommt dir einer dieser Namen bekannt vor? Es ist zum Glück nie zu spät, ins Filmkritik-Karussell einzusteigen. Sehr lesenswerte Filmkritiken finden sich etwa auf kino-zeit.de oder epd-film.de. Hochproduktiv ist auch die Filmkritikerin Antje Wessels, deren Texte du vielerorts findest, gesammelt unter wessels-filmkritik.com. Am besten suchst du dir zwei, drei gute Filmkritiker*innen, deren Reviews du regelmäßig (und gerne) liest, und versuchst, Filme auf deren Weise sehen zu lernen.

Filmkritik schreiben auf Englisch

Du möchtest (oder sollst) eine Filmkritik auf Englisch schreiben? Vom Aufbau her kannst du dich dabei an den oben aufgeführten Guide halten. Als Hilfsmittel für Übersetzungen ist, ganz allgemein, der DeepL-Translator ein starkes Tool. Für englische Fachbegriffe gibt’s weiter unten einige Anleitungen zum Filmkritik schreiben, auch auf Englisch – sowie hier zwei englische Buchtipps zum Thema:

  • David Borwell, Kristin Thompson, Jeff Smith: Film Art: An Introduction (544 S. | 1979 erschienen, ein Standardwerk zum Thema Film, sehr umfangreich, aber nützlich – mit Glossar)
  • Timothy Corrigan: A Short Guide to Writing about Film (Corrigan bespricht unterschiedliche Herangehensweisen an eine Filmkritik und gibt Ratschläge sowie ein Glossar zur Hand.)

Anleitungen · englisch / deutsch (PDF)

Die beste englischsprachige Anleitung liefert AnswerSharkHow to Write a Great Movie Review Like a Professional Critic (ergänzt um ausführliche Beispiel-Kritiken, englischsprachig).

Eine ebenfalls starke, humorvolle und sehr konkrete Anleitung liefert der Grammarly BlogEverything You Need to Know on How to Write a Movie Review (englischsprachig).

Eine detaillierte Anleitung mit vielen Beispielen findest du bei wikiHowEine Filmkritik schreiben. Eine kompakte und übersichtliche Anleitung findest du auf kapiert.deEine Filmkritik schreiben.

Für Schüler*innen + Lehrende:

  • Als Online-Magazin für Medienkritik einen Blick wert ist spinxx.de
  • Als Fundgrube für Lehrer*innen, die Unterrichtsmaterial rund um Filme suchen: kinofenster.de (von der bpb)
  • Hinweise zum Erstellen einer Filmkritik im Unterricht bietet auch das PL Rheinland-Pfalz (als PDF verfügbar)
  • Infoblätter über Filmkritiken liefert Planet Schule

…und wenn du Schwierigkeiten beim Losschreiben hast, denk immer daran: Selbst die größten Geister (und Stars) leiden gelegentlich an Kreativ-Blockaden, wie dieser schöne Zusammenschnitt zeigt:

Fußnoten

  1. Vgl. Spinxx: Filmkritik im Unterricht
  2. Vgl. Lumen: How to Analyze a Film
  3. Vgl. Daniel Potter: Everything You Need to Know on How to Write a Movie Review

8 Kommentare zu „Wie schreibst du eine richtig gute Filmkritik? · Leitfaden“

  1. Sehr geehrter Hr. David Johann Lensing

    Filmkritik ist gar nicht so einfach, ich versuche mich auch ab und zu daran, z. B. bei Amazon.

    Konkret geht es mir um die 10 Folgen der Staffel von „Star Trek Picard“ und deren Rezensionen auf Amazon.de. Die Serie wird tw. extrem „verhauen“ und ich lese darin u. a. immer wieder Sätze sinngemäß wie diesen: „Die ganze Staffel (10 Folgen!) hätte auch in eine Folge gepasst“.

    Wenn man bedenkt die ganzen Handlungen in 1 Folge zu pressen, das kann doch vom Kritiker nicht ernsthaft erwünscht sein. Die Film-Macher der Serie haben für die Geschichten eben nicht eine sondern 10 Folgen vorgesehen haben um alle Inhalte zeigen zu können wie sie es sich vorgestellt haben (Künstlerische Freiheit) und nur der Inhalt des fertigen „Produkts“ sollte kritisiert werden.

    Der Vorwurf „Die Staffel hätte auch in eine Folge gepasst“ soll wohl bedeuten dass man die Handlung gerne (extrem) viel mehr komprimiert hätte oder sie einfach für für zu langgezogen und belanglos hält, der Kritiker atmosphärische Szene die den Filmschaffenden wichtig waren, für absolut belanglos hält oder gleich den ganzen Film für extrem schlecht befindet aber das nicht im Detail begründen will, also das Todschlag „Argument“: …hätte auch in eine Folge gepasst“

    Ich glaube aber dass man den zitierten Satz als Kritiker / Rezensent nicht ernsthaft als Kritikpunkt bringen kann. Ich meine, als Kritiker man muss man das fertige Filmwerk als solches als „Kunstswerk“ anerkennen, es so akzepieren wie es ist inkl. seiner Laufzeit ist, es sozusagen als Gesamtkunstwerk anerkennen. Ganz egal ob sehr viele „Längen“ im Film sein sollten, z B. lange Gespräche oder stimmungsvolle oder atmosphärische Szene usw., in denen quasi „nichts“ passiert.

    Sätze wie „… hätte auch in eine Folge gepasst“ sind doch eigendlich grundsätzlich sinnfrei und haben nichts in einer Filmkritik zu suchen, oder?

    Selbst anerkannte Spitzenproduktionen die x Oscars abgeräumt haben sind nicht selten voller „Längen“ die aber als Künstlerisch wertvoll anerkannt werden.

    Odysee im Weltraum oder Bladerunner z. B. hatten sehr lange Szenen quasi „ohne Handlung“ und dennoch kenne ich keinen prefessionellen Kritiker der einen Satz schreibt wie „… es hätten auch 30 Minuten gereicht“ um aufzuzeigen: So schlecht gemacht bzw. Handlungsarm wäre der Film.

    Wie ist denn ihre Meinung dazu? Man kann doch einem Kunstprodukt, und ich glaube jeder Film ist im grunde „Kunst“, doch als „ernsthafter“ Kritiker nicht seine Laufzeit als Qualitätsmerkmal vorwerfen, oder nicht?

    Vermutlich ist das Thema Filmkritik viel zu vielschichtig als dass man alle möglichen Kriterien in einer Kritik anwenden könnte, ohne einen Roman zu schreiben. Man muss wohl sehr viel Fingerspitengefühl haben und Dinge einfach weglassen, andere hervorheben.

    Vielen Dank für ihren Bericht und ihre Erklärgen.

    Mit Freundlichen Grüßen

    Klaus Weiß

    1. Lieber Herr Weiß,

      vielen Dank für Ihr Kommentar. Ich stimme zu, dass die Laufzeit an sich kein Kriterium sein sollte und Argumente à la »hätte auch in eine Folge gepasst« arg daneben sind. Muss aber hinzufügen, dass ich im Laufe der Jahre sicher selbst mal genau solche Gedanken über die eine oder andere Serie hatte – meist aus Frust und dem Gefühl heraus, dass da meine Zeit verschwendet wurde, weil andere ausgerechnet beim Drehbuch-Schreiben Zeit sparen wollten. Guter Hinweis bezüglich der Vielschichtigkeit des Themas Filmkritik. Da haben Sie absolut recht 👍

      Herzliche Grüße!
      David

  2. Klaus Weiß

    Hallo Hr. Johann Lensing

    Vielen Dank für ihre Bemerkungen und die vielen Tips, ich werde versuchen daraus zu lernen. Ich schreibe (nur) Rezensionen über SF-Filme aus Amazon Prime. In meinen Kommentaren muss ich mich noch viel mehr auf das wesentliche konzentrieren, sollte nicht so ausführlich schreiben und auch sonst kann ich noch sehr viel über das Thema lernen 🙂

    Alles Gute !

    Mit Freundlichen Grüßen

  3. Hallo,
    vielen Dank für diese ausführliche Beschreibung.
    Wie sieht das denn eigentlich mit dem Urheberrecht aus. Kann ich denn einfach eine Filmkritik (selbst verfasst) veröffentlichen, ohne das schriftliche Einverständnis des Rechteinhabers?

    Vielen Dank vorab für die Information.

    1. Hey Marcel, meinst du den oder die Rechteinhaber*in des Films, um den es in der Kritik geht? Dazu bedarf es keiner Einverständniserklärung. Nur bei den Bildern, die einer Filmkritik evtl. hinzugefügt werden sollen, wäre darauf zu achten, welche Produktionsfirma die Rechte innehat, und diese in einem entsprechenden Bildhinweis anzugeben. Liebe Grüße!

      1. Hallo,
        ein schöner Artikel – dennoch macht auch mir, wie Marcel, die Frage nach urheberrechtlichen Aspekten Kopfzerbrechen. Ist es überhaupt erlaubt, den Titel eines Films in einem (online veröffentlichten) Text als Beispiel für ein Genre oder für ein Thema zu erwähnen, geschweige denn den Film als „Aufhänger“ und Einleitung zu einem bestimmten Thema kurz zu beschreiben (ich sage bewusst nicht: zusammenzufassen)? Hast Du dazu irgendwelche rechtsverbindliche Quellen. Ich suche und suche … und finde nichts.
        Lieben Gruß

        1. Hey! Rechtsverbindliche Quellen hätte ich dazu auch keine anzuführen, allerdings auch keine, die einen solchen Gebrauch von Filmtiteln untersagen. Kulturgut ist doch regelrecht dazu da, Teil des Diskurses zu sein – sei es als diskutierter Gegenstand, oder als passende Referenz, oder, oder, oder. Worüber möchtest du denn konkret schreiben? (Um das dann wiederum konkret zu erörtern.) Lieben Gruß!

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