Erste Kurzfilme: Vollmond-Nacht + One-Night-Stand

Die gefesselte Braut und Die kalte Mieze sind im Jahr 2010 als zwei meiner ersten Kurzfilme und Teil eines längeren Episodenfilms entstanden. Die Hauptrolle der titelgebenden Braut hat die Schauspielerin Nina Kierdorf übernommen. Ansonsten besteht die Besetzung dieser Amateurfilm-Produktionen aus Laien. Das Drehbuch stammt aus meiner Feder, ebenso habe ich in diesen Kurzfilmen die Kamera (Canon XL2) sowie Regie geführt und das Material geschnitten (Final Cut Express 4).

Hinweis: Auf YouTube sind sowohl Die gefesselte Braut als auch Die kalte Mieze in voller Länge verfügbar.

Zur Handlung

Die gefesselte Braut

Kurz: Draußen lauert ein Vampir, drinnen tobt das Familiendrama. Kinder verstört, Vater betrunken, Tante gefesselt – und irgendwer wird die Nacht nicht überleben.

Der kleine Todd kriegt’s mit der Angst zu tun. Vor seinem Fenster lauert ein Vampir, der Junge kann ihn im Mondlicht ganz genau sehen. Doch seine Schwester Tamara will nicht auf ihn hören. Sie packt gerade ihre sieben Sachen und will in dieser Nacht – da ihr Vater nicht daheim ist – das Weite suchen. Zu dumm, dass der Papa früher heimkehrt als geplant. Und er ist nicht allein.

Von der Hochzeit, die er besuchen wollte, bringt er die Braut (Schauspielerin Nina Kierdorf) mit nach Hause. Die Frau im weißen Kleid ist bewusstlos und blutet. Als sie zu sich kommt, findet sie sich ans Sofa gefesselt wieder. Es ist Tess, die Tante der Kinder. Während sie versucht, den betrunkenen Vater zur Vernunft zu bringen, geraten die Kinder in einen Streit. Der Vampir indes wittert das Blut der gefesselten Braut…

Die kalte Mieze

Als Ricky morgens die Augen aufschlägt, findet er sich in einem fremden Bett wieder. Kommt vor. Doch dass er seine Beine nicht bewegen kann, bringt den jungen Mann aus der Fassung. Als er die Bettdecke zur Seite schlägt, findet er neben sich eine Frau – sie atmet nicht, ist kalt wie die Chicken Nuggets von gestern. In Panik robbt Ricky zum Telefon und klingelt seinen Kumpel Hugo an. Der macht sich sofort auf den Weg, seinem Freund zu helfen. Ebenso auf dem Weg ist der Macker jener Frau, die da tot im Bett liegt. Sein Name ist Donny – und der ist nicht zu Scherzen aufgelegt.

Erste Kurzfilme · Hintergrund

Zu Produktionsbeginn war ich 20 Jahre alt, ein Fan von grellen Farben, Splitscreens, verschachtelter Erzählweise und (an beiden Kurzfilmen unschwer erkennbar) ein Schwamm für popkulturelle Mainstream-Einflüsse. Sei es das Double Feature Grindhouse (2007) von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez oder der Vampirfilm Thirst (2009) von Park Chan-wook (2009). Aber auch Klassiker wie der Roman Dracula (1897) von Bram Stoker und die berühmte Hommage daran, Werner Herzogs Nosferatu – Phantom der Nacht (1979) hatte ich um diese Zeit herum für mich entdeckt.

Nicht zu vergessen: Die Twilight-Welle war längst am Rollen und spülte 2010 die Verfilmung des zweiten Buchs unter dem Titel New Moon – Biss zur Mittagsstunde in die Kinos. Davon beeinflusst gewesen zu sein hätte mein damaliges Selbst sicher prompt geleugnet. Doch Vampire waren ziemlich in Mode, so viel steht fest. (Dass sie Anfang 2012 dann wieder aus der Mode gekommen waren, erzählt Regisseur Marc Schießer im Interview, dass wir zu der Zeit geführt haben – Link folgt.) Was Die kalte Mieze angeht, erscheint mir die Geschichte rückblickend unangenehm aufgeladen mit Macho-Klischees und Stereotypen.

Tipp: Weitere eigene Projekte finden sich in der Filmografie.

Erste Kurzfilme · Entstehung

Ein bisschen was zur Machart: Zu Beginn jedes Filmprojekts stehen etliche vollgekritzelte Seiten mit Notizen und Zeichnungen. Nachfolgend mal ein wortgetreues Transkript aus einem alten Notizbuch, in dem die Storyline zu Die gefesselte Braut erstmals ausformuliert wurde – noch mit einem anderen Verlauf als in der finalen Filmfassung. Auf dieser Grundlage ist das spätere Drehbuch entstanden.

Notizen zu Die gefesselte Braut

2009/10. Ein Junge (10) wird nachts in seinem Zimmer von etwas Gruseligem geweckt. Schattenspiele, seine großen Augen. Schnitt: Kinderfüße tapsen ins Nebenzimmer. Dort packt die Schwester (12) gerade ihre Sachen.

»Kleiner, was ist los?« – »Was ganz Schreckliches ist passiert!«

Es ist Neumond, dunkelste Nacht, und der Kleine will gesehen haben, wie der Vampir ihr Kaninchen gebissen und ausgesaugt hat.

»Es gibt keine Vampire!« – »Du hast ja keine Ahnung!«

Ein Knall lässt beide zusammenfahren.

TITEL (Arbeitstitel: Bound bride)

Kamerafahrt entlang gerahmter Fotos eines glücklichen Paares, dazwischen stehen Spirituosenflaschen. Endet auf Tür. Wir hören schon den Gesang von draußen. Tür schwingt auf und ein Brautpaar kommt herein. Der singende Bräutigam trägt die Braut, die – wie jetzt zu sehen – ohnmächtig ist. Der Mann schließt die Tür mit der Fußhacke, dann lässt er die Frau einfach fallen. Mit dem Knall der Schnitt ins Kinderzimmer.

»Das ist nur Papa. Verdammt, seit wann kommt der denn so früh zurück?«

Der Junge sieht den Koffer (nuschelt vorher: »Hat bestimmt wieder gesoffen…«)

»Was hast du eigentlich vor? Wo willst du hin?« – »Ich werde weggehen.« – »Warum, wegen Papa?« – »Genau. Kluger Junge!« – »Du kannst mich doch nicht hier alleine lassen!?« – »Ach komm, Kleiner, dir tut er doch nichts. Er liebt dich.« – »Dich liebt er auch.« – »Ja, etwas zu sehr.«

Der Rabenvater

Schnitt auf Vater, der sich im Spiegel betrachtet. Dann Close-up aufs Gesicht der Frau, die am Boden liegt. Platzwunde an der Stirn, kleiner Blutfleck auf’m Boden. Dann wird sie zum Sofa geschleift. Er hievt sie rauf, fesselt sie.

»Hallo Schatz.« – »Was hast du getan, was ist passiert?«

Er hat sich auf die Hochzeit seiner Exfrau geschlichen, ihr K.O.-Tropfen untergejubelt und sie dann gekidnappt.

»Die werden schon nach mir suchen! Verdammt nochmal, du kannst mich doch nicht von meiner Hochzeit entführen!« – »Wie konntest du das tun? Wie kannst du nur schon wieder heiraten?« – »Schon wieder? Es ist zwei Jahre her. Wir haben uns seit Monaten nicht gesehen, weil ich nicht herkommen darf! Werd erwachsen!« – »Warum hast du dich scheiden lassen? Und als ich das Sorgerecht bekam, warum bist du nicht zu mir zurückgekehrt? Du egoistisches Miststück lässt unsere Kinder ohne Mutter aufwachsen.« – »Komm mir nicht auf die Tour.«

– WIE WILLST DU DAS DEN KINDERN ERKLÄREN??? –

Die Schauergestalt

Schnitt ins Kinderzimmer. Die Schwester verabschiedet sich.

»Aber du kannst da nicht rausgehen! Der Vampir hat das Karnickel ausgesaugt! Der saugt auch dich aus!«

Sie öffnet das Fenster und erschrickt sofort, als sie herausblickt. Ein kurzer Angstschrei und sie schließt das Fenster wieder. Zurück ins Wohnzimmer:

»Du kannst dich keinem anderen Mann hingeben. Du gehörst mir – genau wie die Kinder mir gehören.«

Die Erwachsenen hören den Schrei.

»Oh mein Gott, was ist mit ihnen!?« – »Du bleibst hier.«

Der Vater will nachschauen, was die Kinder haben. Schnitt ins Kinderzimmer.

»Was ist hier los? Ihr sollt schlafen. Kleiner, warum bist du nicht in deinem Bett?« – »Ein Vampir hat das Kaninchen ausgesaugt! Er lauert draußen.« – »Junge, red’ nicht so einen Unsinn.« – »Der Kleine hat Recht!« – »Was soll das, Mädchen? Für sowas bist du zu alt.«

Im Foyer geht die halb geöffnete Haustür weiter auf. Ein Schatten über dem Blutfleck. Er wird weggeleckt. Der Vampir schleicht sich an Braut heran. Sie in Angst erstarrt. Er leckt ihr das Blut von der Stirn, seine Zähne blitzen auf.

Das alternative Ende

»Jetzt hört mal zu. Eure Mutter ist hier…« – »Mama ist hier!? Ich will zu ihr!« – »Oh nein!« – »Jetzt lass ihn zu ihr! Er durfte sie seit Monaten nicht sehen!«

Der Vater holt zum Schlag aus, aber da ist der Sohn schon raus und hat von außen abgeschlossen. Der Junge schleicht ins Wohnzimmer und sieht die Füße seiner Mutter übers Sofa-Ende ragen. Etwas ist über ihr. Später: Tochter und Vater finden im Wohnzimmer die Mutter – sie lebt noch und keucht:

»Er hat den Jungen mitgenommen!« – ENDE

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