Der Vorname · Kammerspiel-Komödie über Kindernamen

Der Vorname (2018) ist ein Remake des französischen Films Le Prénom (2012), der wiederum auf einem gleichnamigen Theaterstück basiert. Die darin erzählte Geschichte ist denkbar simpel und doch sehr unterhaltsam – und bietet sich für eine deutsche Neu-Verfilmung absolut an. Die Regie hat Sönke übernommen. Hier eine kurze Kritik zu der Komödie und (nach dem Fazit) noch ein paar Fragen und Antworten zum Film. | Lesezeit: 7 Min.

Bewertung: 4.5 von 5.

Handlung von Der Vorname

Die Grundschullehrerin Elisabeth (Caroline Peters) und ihr Ehemann Stephan (Christoph Maria Herbst) – Literaturprofessor, Besserwisser – laden zum Essen ein. Mit dabei: Elisabeths Bruder (Florian David Fitz) – Immobilienmakler, Besserverdiener – samt seiner hochschwangeren Freundin Anna (Janina Uhse), sowie ein musischer Familienfreund namens René (Justus von Dohnányi). Eine heitere Runde, harmlos zankend, guter Laune. Bis Elisabeths Bruder verrät, welchen Vornamen das Kind in Annas Bauch tragen soll. Ein Eklat!

Trailer von Der Vorname

Wenn du nicht bereits weißt, um welchen Vornamen es in Der Vorname geht: Gut so! Glückwünsch! Denk’ nicht weiter drüber nach. Ich saß selbst ohne jegliche Vorkenntnisse zum Film im Kino und schiebe einen Großteil meines Gefallens an diesem Seh-Erlebnis eben dem Oha!-Effekt zu. Der Trailer zu Der Vorname (nicht zu empfehlen, aber hier zu sehen) ist ein zum Winter aus Vivaldis Jahreszeiten geschnittenes Spoiler-Feuerwerk, das viele starke Pointen und Momente verballert.

Sicher, trommeln gehört zum Handwerk und der Film will schließlich von mehr Leuten im Kino gesehen werden, als das französische Original (das sich hierzulande gerademal 50.000 Leutchen angesehen haben). Doch dass für die Werbung so sehr die Wirkung aufs Spiel gesetzt wird, ist (mal wieder) ein bisschen bitter. 😐

Tipp: Hier ein interessantes Interview mit dem Schauspieler Christoph Maria Herbst (ohne viel über den Film zu verraten).

Zum französischen Original

Der Titel des französischen Originals – Le Prénom (2012) – bedeutet ebenfalls: Der Vorname. Als Vorlage diente ein Theaterstück von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte. Die französische Filmversion ist rund eine Viertelstunde länger als das deutsche Remake (in welchem übrigens eine nette Anspielung aufs Original gemacht wird). Hier geht’s zum deutsch synchronisierten Trailer von Le Prénom – in dem der Name nicht verraten wird. Geht doch. 👍

Zum deutschen Remake

Ähnlich wie Gott des Gemetzels (2011), Nur eine Stunde Ruhe! (2014) und Le Jeu – Nichts zu verbergen (2018) ist Der Vorname ein Kammerspiel französischen Ursprungs. Allein, dass mit dem Konzept Kammerspiel ein paar Mal gebrochen wird (eigentlich hätte die Geschichte allein im Gastgeber-Haus erzählt werden können).

Gleich zu Beginn des Films von Sönke Wortmann (Der bewegte Mann) gibt’s zum Beispiel eine Pizzaboten-Fahrt mit dem Roller durch die ehemalige Hauptstadt Deutschlands. Ordentlich Lokalanstrich für alle, die sich in Bonn auskennen. Der Fokus dieser Montage liegt auf den Straßenschildern und den Namen, die sie tragen. Ganz lässig wird dazu der Vorspann eingeblendet – allerdings nur mit den Vornamen der jeweiligen Schauspieler: Janina und Florian etwa, statt Janina Uhse und Florian David Fitz). Wie sympathisch!

Doch die ach so sympathische Runde kriegt sich ganz schön in die Haare, als der Vorname des kommenden Kindes gelüftet wird. Schon vorher flott und witzig erzählt, nimmt das Hin-und-Her spitzzüngiger Dialoge hier an Tempo auf. Die Gag-Dichte des Films bleibt dabei so hoch, dass es herzlich viel zu lachen gibt. Das allein ist schon eine Qualität, die einen Film sehenswert macht. Hinzu kommt eine solide Kameraarbeit von Jo Heim und seinem Team – und halt ’ne gute Regie. Bei solch einem Ensemble fast ein Selbstläufer, nehme ich an? 🤷‍♂️ Trotzdem, das hat der Sönke gut gemacht.

Kritik an Der Vorname

Der Filmkritiker Matthias Dell (ZEIT) empfindet manch Regie-Einfall als »überflüssig«, aber hey, das ist wie mit der Vornamenwahl: Geschmackssache. Ich persönlich fand den Film köstlich. Antje, Holger, was denkt ihr?

Die 90 Filmminuten von Wortmanns Interpretation sind spritziger und bissiger als der 2012 veröffentlichte »Der Vorname«-Kinofilm.

Antje Wessels (Wessels Filmkritik)

Sehr vergnüglich gelingt es dem Film, mit fortschreitender Handlung immer neue Abgründe aufzureißen und seinen Protagonisten ein ums andere Mal den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Dabei sind die Personen – so sehr sie zunächst auch als Stereotype aktueller bürgerlicher Milieus angelegt sind – durchaus glaubhaft und entwickeln Tiefe.

Holger Heiland (Kunst+Film)

Fazit zu Der Vorname

Ein sehr unterhaltsamer Film voller streitlustiger Charakterköpfe. Der Vorname lädt in erster Linie zum Lachen ein, regt aber auch interessante Folge-Gespräche an. Und wer vor diesem Film noch nicht weiß, wie das eigene Kind mal heißen soll, findet nach diesem inspirierenden Hin-und-Her bestimmt einen tollen Vornamen. Nicht den, natürlich.

Welche Namen sind erlaubt?

Bevor ich gleich doch kurz auf den Vornamen in Der Vorname zu sprechen komme, hier ein dezenter SPOILER!!!-Hinweis. Und hier ein Link zu einem amüsanten Video mit Florian und Janina, die raten dürfen, welche Vornamen in Deutschland zulässig sind. Wer entscheidet das eigentlich? (Das Standesamt, ja – aber wer genau? Ich will Namen!)

Im Video betont Florian, dass bei der Namenswahl in Deutschland die Erkennbarkeit des Kindesgeschlechts wichtig sei. Nach der Lektüre von Judith Butlers Das Unbehagen der Geschlechter (1990) kommt mir diese Vorgabe geradezu engstirnig vor. Es geht dabei jedoch weniger darum, dass der Vorname eindeutig über das Geschlecht informiere, sondern darum, dass er vielmehr nicht das »falsche« Geschlecht andeute. Wir dürfen gespannt sein, ob eine solche Ideen in Zeiten von »divers, männlich, weiblich« bestehen bleiben wird.

Wer hat den Längsten?

Der Rufname einer Person ist derjenige Vorname, mit dem sie üblicherweise angesprochen wird. Beim Ex-Minister Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg gibt’s da große Auswahl. Dessen Bruder heißt übrigens Philipp Franz Maria Antoninus Friedrich Wilhelm Emanuel Johannes. Der Papa von den beiden heißt Georg Enoch Robert Prosper Philipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh. Ich hab’ ja keine Ahnung von so Adelsgeschlechtern, aber geht’s vielleicht darum, wer den Längsten hat? 🤔 Die Mama der von und zu Guttenbergs heißt übrigens Christiane.

Bei den meisten Personen sind es ein oder zwei Vornamen, weshalb die Wahl da etwas wichtiger ist. Wer will dem Kind schon das Leben schwermachen? Umso mehr erstaunt es, dass etwa der Vorname »Popo« erlaubt ist. Aber um Popo geht’s hier nicht. Popo muss sich dran gewöhnen, ausnahmsweise mal nicht im Mittelpunkt zu stehen. Denn so popolär ist der Name nun auch wieder nicht.

Welcher Name ist es? (Spoiler)

Nun, um welchen Namen geht es dann? Die Kenntnis des Films Der Vorname lässt sich inzwischen in Geld bemessen. Bei Wer wird Millionär? war folgende Frage im Dezember 2018 satte 8.000 Euro wert: 

Die Wahl welchen Vornamens sorgt in der aktuellen Kinokomödie von Sönke Wortmann für heftige Turbulenzen? – A) Viagra · B) Heiland · C) Godzilla · D) Adolf

Die richtige Antwort ist D. Und anders als Herr von und zu Guttenberg trug der Mann, der die deutsche Geschichte in ihr bis dato dunkelstes Kapitel gesteuert hat, nur einen Vornamen: Adolf Hitler. Sein Name ist fest mit dem Holocaust verhaftet, dem systematischen Völkermord an über sechs Millionen europäischen Juden. Darfst du deinem Kind diesen Vornamen geben? Ja. Aber willst du?

Tatsächlich leben in Deutschland heutzutage (Stand 2018) immerhin 46.171 Adolfs, wie aus einer Datenbank des Namenkundlichen Zentrums der Universität Leipzig hervorgeht. Eine Karte des Instituts zeigt, dass der Vorname bundesweit vertreten ist, mit deutlich sichtbaren Lücken in Ostdeutschland. Das lässt sich leicht erklären, war es doch in der ehemaligen DDR verboten, sein Kind Adolf zu nennen.

Tim Niendorf (FAZ)

In Der Vorname kommen einige spannende Argumente zur Sprache, welche die Diskussion auch über die Filmdauer hinaus lebhaft gestalten. So gibt es neben »guten Adolfs« natürlich noch andere Vornamen mit berühmt-berüchtigten Vorbildern, die aus welchem geschichtsvergessenen Grunde auch immer weniger negativ belastet sind. Was ist etwa mit Joseph (Goebbels), Heinrich (Himmler), Gertrud (Scholtz-Klink)? (Zugegeben, ich habe in der Liste wichtiger Politiker und Funktionsträger der NSDAP unter den Hunderten von Namen aus Neugier nach weiblichen Vornamen gesucht – Gertrud war die einzige Frau, die ich fand. Völkermord war Männersache.)

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