Atheismus vs. Gottesglaube

In diesem Beitrag stelle ich drei Ansichten zum Glauben gegenüber. Zu Wort kommen: Pfarrerstochter Angela Merkel, Religionskritiker Sam Harris und der YouTuber BiasedSkeptic. Letzterer gibt eine ausführliche Stellungnahme zu der Frage: Was glaubt ein Atheist?

Die kurze Antwort zur Frage Was glaubt ein Atheist bzw. eine Atheistin? lautet: Wer dem Atheismus zugeneigt ist, geht davon aus, dass es keinen Gott, geschweige denn mehrere Gottheiten gibt. Atheistische Menschen lehnen den Gottesglauben ab. Der Begriff Atheismus geht zurück auf den griechischen Ausdruck ἄθεος (átheos), der »ohne Gott« bedeutet.

Daran glaube ich

Zwischen den Büchern meiner Großeltern habe ich folgendes entdeckt: Daran glaube ich. Christliche Standpunkte – eine Sammlung aus Antworten und Vorträgen zum Thema Glaube, von Angela Merkel. Erschienen ist das Büchlein im St. Benno Verlag, der als »ein Unternehmen der Kirche« auftritt.

Als kirchenkritischer Mensch hab’ ich nicht erwartet, dass mich diese propagandistische Publikation groß bewegen oder überzeugen würde, hin zu mehr Kirchennähe oder so. Hat sie auch nicht, ehrlich gesagt. Aber immerhin gab’s darin ein paar Denkanstöße.

Hin und wieder poste ich ja Beiträge zu religiösen Inhalten – Gottesbeweise, Religionskritik, Schöpfungsgeschichten – aus persönlichem Interesse daran und werde dann zuweilen gefragt: Woran glaubst du denn? Bist du Atheist? Was glaubt ein Atheist? Nun, was ich glaube, tut doch nichts zur Sache, dachte ich zunächst. Das stimmt aber natürlich nicht so wirklich. Zitat von Merkel:

Auf der einen Seite ist natürlich die Entscheidung, bin ich Christ, bin ich ein Angehöriger einer anderen Religionsgemeinschaft, eine private Entscheidung. Aber ich verstehe z. B. das Evangelium so, dass wir das nicht verschweigen sollten, sondern dass wir schon sagen können, woher wir unsere Kraft für unsere Entscheidungen haben.

Angela Merkel: Daran glaube ich. Leipzig: Benno 2013, S. 158
Bild zum Beitrag: Was glaubt ein Atheist? Buchcover von Merkels »Daran glaube ich« + Harris’ »Das Ende des Glaubens«

Das Ende des Glaubens

Etwas weiter treibt diese Denkrichtung der Religionskritiker Sam Harris, wenn er schreibt:

Überzeugungen [sind] kaum privater als Handlungen, denn jede Überzeugung ist eine Quelle für mögliche Handlungen. […] Es sollte leicht zu erkennen sein, dass z. B. der Glaube an die volle Wirksamkeit des Gebets in dem Moment zu einer betont öffentlichen Angelegenheit wird, in dem er in die Praxis umgesetzt wird.

In dem Moment, in dem ein Chirurg seine weltlichen Instrumente beiseite legt und versucht, Patient*innen mit Gebeten zu nähen, oder eine Pilotin versucht, ein Passagierflugzeug mit nichts anderem als Wiederholungen des Wortes »Halleluja« zu landen, […] werden wir schnell aus den Gefilden des privaten Glaubens in die eines Strafgerichts versetzt.

Sam Harris: The End of Faith. New York: Norton 2005, S. 44 (Übersetz. via DeepL Translator)

Was glaubt ein Atheist? Sam Harris zufolge: dass die Welt ohne irrationalen Glauben besser dran ist. Und dass wir Glaubensfragen keinen Sonderstatus beimessen sollten. In seinem Buch Das Ende des Glaubens will Harris zeigen…

…dass wir genauso wenig frei sind, über Gott zu glauben, was immer wir wollen, wie wir frei sind, ungerechtfertigte Überzeugungen über Wissenschaft oder Geschichte anzunehmen, oder frei, zu meinen, was immer wir wollen, wenn wir Worte wie »Gift« oder »Norden« oder »Null« verwenden. Wer solche Ansprüche erhebt, sollte sich nicht wundern, wenn der Rest von uns aufhört, zuzuhören.

Sam Harris, ebd., S. 51

Friedliche Ko-Existenz

Merkel wiederum sieht in der Ko-Existenz verschiedener Glaubensrichtungen mit Absolutheitsanspruch kein Problem.

Ich glaube, man kann damit umgehen. Ich kann mich zu meinem Glauben bekennen, und kann aber auch akzeptieren, dass ein anderer Mensch einen anderen Glauben hat. Wir sollten den Diskurs führen, wir sollten nicht relativieren, wo Glaubensfragen im Zentrum der Debatte stehen […]Angela Merkel, S. 159

Ist es relativieren, wenn ein Mensch die Meinung vertritt, dass Religionen allgemein kritisch betrachtet werden müssen? Vor kurzem hat sich mir die Gelegenheit ergeben, mit einem »überzeugten Atheisten« zusammenzuarbeiten. In Anführungsstrichen, denn auf YouTube ist er unter dem Namen BiasedSkeptic unterwegs. Ein »voreingenommener Skeptiker« also. Einer der sich bewusst ist, dass er selbst auch Vorurteile hat. Und einer, der das skeptische Hinterfragen nicht lassen kann.

Den hab’ ich um seinen Elevator-Pitch zum Atheismus gebeten. Das heißt: um eine 90-sekündige Ansprache, die mich innerhalb der Dauer einer Fahrstuhlfahrt vom Atheismus zu überzeugen versucht. Hier der Pitch!

Was glaubt ein Atheist?

Biased Skeptic: Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Ist Religion nützlich oder ist sie wahr? Ob Religion einen Nutzen hat, ist nämlich eine andere Frage. Dinge können unwahr, aber trotzdem nützlich sein. Wie eine Notlüge oder das Ausnutzen des Placebo-Effekts. Wir stellen uns hier aber ausdrücklich die Frage: Sind theistische Religionen wahr?

Zunächst können nicht mehrere theistische Religionen wahr sein. Jede erhebt einen Absolutheitsanspruch. Also entweder oder. Und das führt uns zu einigen Fragen, die problematisch sind.

Persönlicher Glaube korreliert ganz eindeutig mit der Zeit in der jemand lebt. Und an dem Ort, an dem jemand lebt. Wenn der Koran wahr ist, dann haben alle Christen, Juden oder sonstige Gläubige, ein Problem. Und nicht nur die von heute, sondern alle Nicht-Moslems, die jemals gelebt haben. Eigentlich ziemlich mies, dass alle Menschen, die nie von dieser einzig wahren Religion gehört haben, jetzt gerade in der Hölle schmoren.

Wozu überhaupt Religion?

Man könnte einwenden, dass Gott nicht so böse ist, das zuzulassen. Es steht aber so in ungefähr jeder heiligen Schrift. Woher sollen wir wissen, welche Teile, beispielsweise der Bibel, doch nicht wörtlich zu nehmen sind? Was ist mit Sklaverei und dem, was wir im Schlafzimmer treiben? Ist Homosexualität jetzt doch okay? Und wenn wir uns einfach rauspicken können, welchen Teil von Religion wir gut finden, und welchen nicht – wozu dann überhaupt Religion?

Woher kommen aber Religionen, wenn sie unwahr sind? Aus einer skeptischen Weltsicht sind sie ganz eindeutig ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen wir noch weniger wussten, als heute. Woher kommen Blitze? Von Zeus. Oder…?


Weil BiasedSkeptic den Wahrheitsgehalt von Religionen gleich zu Beginn klar getrennt hat von der Frage nach dem Nutzen – was argumentativ nur sinnvoll ist – hab’ ich dann nochmal darum gebeten, mir seine Gedanken zum Nutzen von Religionen aus atheistischer Sicht mitzuteilen. Oder ob er der Meinung sei, dass wir ohne theistische Religionen besser dran wären? Immerhin spielt auch bei gesellschaftlich engagierten, philanthropischen Menschen, der Glaube oft eine wichtige Rolle in der Motivation, der Sinnstiftung, dem »Klarkommen« mit den bösen und harten Seiten des Lebens. (Mit denen weniger hilfsbereite Menschen meist auch seltener konfrontiert werden.)

Der Nutzen von Religion

Biased Skeptic: Ich stimme zu, dass die Frage nach dem Nutzen von Religion nicht von der Hand zu weisen ist. Man muss aber klar differenzieren, ob man das Nutzen-Argument als Indiz für den Wahrheitsgehalt von Religion heranzieht oder nicht. Denn im Apologetik-Umfeld wird dies teilweise als das gehandhabt. Nutzen beweist Wahrheit. Da würde ich vehement widersprechen. Aus dem privaten Austausch mit David weiß ich, dass er das auch so sieht.

Nun haben wir bereits in meinem ersten Statement festgestellt, dass Nutzen und Wahrheit nicht zwangsläufig dasselbe sind. Trotzdem stellen wir uns nun die Frage: Ist Religion nützlich? Die kurze Antwort: Ja. Aber: Aus meiner Sicht ist sie so hilfreich, wie eine Gute-Nacht-Geschichte.

Gottesglaube als Gute-Nacht-Geschichte

Denken wir an unsere Kindheit zurück. Wir alle hatten irgendwann mal Probleme einzuschlafen. Meistens, weil wir irgendwelche irrationalen Gedanken oder greifbare Ängste hatten. Irrational, wenn wir nachts zuvor schlecht geträumt hatten. Oder wir haben reale Angst vor der Klassenarbeit am nächsten Morgen.

Was hat geholfen? Wenn Mama oder Papa reinkam und uns eine Geschichte erzählt hat. Die Worte und das Gefühl, welches uns dabei vermittelt wurde, haben objektiv gesehen nichts an unserer Situation verändert. Trotzdem hat uns das Gefühl von Geborgenheit, Zuspruch, Verständnis und Liebe meist geholfen, dass wir uns besser fühlen.

An diesem Szenario gibt es nichts einzuwenden. Im Gegenteil, Situationen wie diese sprechen für eine schöne Kindheitserinnerung. Aber wenn wir uns die Situation 20 Jahre später vorstellen, sieht es anders aus. Es wäre merkwürdig, wenn wir uns vorstellen, dass ein 30-jähriger Mann von seinem Papa in den Schlaf gesungen wird.

Was hat sich verändert? Wir sind intellektuell und menschlich gereift. Wir wissen, dass uns da draußen in der Welt Herausforderungen und teilweise auch Schicksalsschläge erwarten und wir wissen auch, dass uns real gesehen keine Geschichte hilft, diese zu bewältigen.

Gute Menschen und furchtbare Taten I

Menschen haben das Potential in sich selbst, das Leben zu bewältigen. Wir brauchen dazu keine Gute-Nacht-Geschichte. Vor allem keine, die voll von Widersprüchen und unklaren Aussagen ist. Ja, viele »gute« Menschen sind gläubig. Aber Glaube ist keine Notwendigkeit, um gut zu sein. Gute Menschen werden gute Dinge tun, ob sie religiös sind oder nicht. Aber es braucht Religion, damit ein guter Mensch etwas Schlechtes tut. Was meine ich damit?

Ich klaue hier bei Christopher Hitchens, wenn ich die Frage stelle: Nenne mir ein Beispiel einer guten Tat, die nur ein Gläubiger vollbringen könnte. Also etwas, das einen Ungläubigen unmöglich wäre.

Umgekehrt könnte ich aus dem Stehgreif furchtbare Dinge nennen, die ein eigentlich guter Mensch tut, im Namen von Religion. Selbstmordattentäter sind absolut überzeugt, dass sie den Willen Gottes verrichten. Die Kreuzritter waren das genauso. Jemand der Ehrenmord begeht, glaubt wirklich er beschützt sein Opfer vor der gesellschaftlichen Schande und der Strafe Gottes.

Ich wiederhole es nochmal: Gute Menschen werden gute Dinge tun, gläubig oder nicht. Aber es bedarf Religion, dass ein guter Mensch Böses tut.

Säkularer Humanismus

99 Prozent der Gläubigen sind gemäßigt und tun Gutes. Das Problem ist, dass moderate Religionsausübung den extremen Ausprägungen von Religion Schutz bietet. Den Dogmatikern und Extremisten, die das Wort Gottes wörtlich nehmen.

Wieso einigen wir uns nicht lieber auf eine Art säkularen Humanismus, dem keine Ideologie zugrunde liegt, die überhaupt missbraucht werden kann? Was Religion Positives bietet, finden wir in uns selbst. Und was Religion an Gefahrenpotential bietet, müssen wir Loswerden. Denn erst wenn der Deckmantel von Religion wegfällt, können wir religiös-motivierte Verbrechen als das bewerten, was sie wirklich sind.

Religion lässt sich nicht abschaffen. Es wäre auch falsch, Menschen zu etwas zu zwingen. Genau deshalb sehe ich aber ein Problem mit dem Nutzen-Argument für Religion: Es ist bevormundend und anmaßend, zu behaupten, dass die Menschen die Gute-Nacht-Geschichte brauchen. Wir brauchen Aufklärung für kritisches Denken, Debatten, Beiträge wie diesen hier – und graduell wird die Bedeutung von Religion abnehmen.

Die menschliche Neigung zur Spiritualität

Ich glaube aber, dass dem Menschen eine Neigung zu Spiritualität innewohnt und die Lücke, die Religion bei vielen besetzt, nur mit etwas anderem gefüllt werden wird. Ich bin aber optimistisch, dass dieses »andere« weniger gefährlich sein wird.

Das Gute wie das Schlechte steckt im Menschen. Aber das Gute wird ohne Religion nicht weniger. Wir werden unsere Familie und Freunde weiter lieben und unterstützen. Geben wird trotzdem psychologisch positivere Effekte haben als zu Nehmen. Selbst wenn Böses nicht zwingend weniger werden würde – was wir sicher verlieren ist das religiöse Alibi für Schandtaten in unserer Welt. Und das wär’s wert!


Meine Reaktion auf BiasedSkeptic

Interessante Gedanken. Damit ist die Titelfrage – was glaubt ein Atheist? – für mich hinreichend beantwortet (wenn auch, klar, rein exemplarisch). Einerseits möchte ich auch glauben, dass es Religionen nicht braucht.

Andererseits habe ich die Vermutung, dass hier vom eigenen geringen oder nicht vorhandenen Bedürfnis aus darauf geschlossen wird, dass andere es doch auch nicht bräuchten. Dieser Logik folgend kann ich mir auch eine Welt ohne Sport vorstellen, also, von mir aus. Aber für das Gute im Sinne persönlicher Gesundheit braucht es wohl Sport. Angeblich.

Gute Menschen und furchtbare Taten II

Analog scheint mir die Aussage »das Gute wird ohne Religion nicht weniger« etwas gewagt. Worauf basiert diese Annahme denn? Wenn, wie dargelegt, »das Gute wie das Schlechte im Menschen« steckt, ist doch davon auszugehen, dass Religion auch einige im Grunde schlechte Menschen dazu bringt, Gutes zu tun. Und demzufolge würde das Gute ohne Religion durchaus weniger werden. Zumindest, wenn wir uns auf den Outcome konzentrieren, die Taten.

Zur Frage von Christopher Hitchens – ein Beispiel für eine guten Tat, die nur ein Gläubiger vollbringen könnte – käme mir in den Sinn: Gott um Gnade zu bitten. Nicht fürs eigene Wohl, sondern dem Anderer. Ist das keine gute Tat? Vorausgesetzt, es gäbe einen Gott. Wer nicht daran glaubt, wäre zu einer solchen Tat nicht fähig – würde aber, und da beißt sich die Katze in den Schwanz, die »gute Tat« wohl auch nicht als solche anerkennen, sondern nur als leere Floskel ohne Konsequenzen. Die Frage setzt ja schon voraus, dass es keinen Gott gibt.

Was furchtbare Dinge angeht, die im Grunde gute Menschen tun, da fallen mir auch so einige ein. Allerdings längst nicht nur im Namen der Religion, sondern auch unter Drogen, im krankhaften Wahn, aus schierer Verzweiflung, Existenznot, Hunger… ich frage mich, woran das »eigentlich Gute« eines Menschen überhaupt festzumachen wäre?

Schluss mit dem Schwadronieren

Zu guter Letzt möchte ich nochmal aus einer Bibelarbeit zitieren, in der unsere scheidende Bundeskanzlerin eine Passage aus dem Markus-Evangelium interpretiert. Zum Schluss schreibt sie:

[Wir sollten] uns nicht zu viel mit Schwadronieren und Lamentieren aufhalten. Vorbildlich sind diese Stringenz, diese Klarheit, diese Schnelligkeit und diese wenigen Worte, mit den [sic!] Jesus in den existentiellsten Situationen reagiert: »Gebt dem Kind zu essen!«; […] »Fürchte dich nicht!« – immer wieder diese klare, nüchterne Botschaft.

Ich sage dies ganz bewusst, weil ich meine, dass auch wir Christen und Christinnen in unserem Land […] immer klar im Auge haben sollten: Wir haben Grenzen, aber wir haben auch einen Gestaltungsauftrag. Wir haben eigene Füße und einen weiten Raum, den wir durchmessen dürfen, aber dieser Raum ist uns nicht zum Greinen, Weinen, Flennen und Lamentieren gegeben, sondern zur verantwortungsvollen Gestaltung.

Angela Merkel, S. 156

Fazit zur Frage: Was glaubt ein Atheist?

Ich glaube nicht, dass uns der weite Raum von einer höheren Instanz zu einem solchen Zwecke gegebenen wurde. Doch ich glaube daran, dass das tatsächlich der beste Zweck ist, den wir selbst als zweckorientierte Wesen hineinlegen können. Das Leben ist ein ewiges Werden, ein Sich-Entwickeln, als Gesellschaft und als Individuen, die wir mit verantwortungsvoller Gestaltung diese Gesellschaft bilden und prägen.

Um zu entscheiden, was »verantwortungsvoll« ist, meine ich persönlich keinen religiösen Kompass zu brauchen. Aber ich kann auch nicht sagen, was genau stattdessen meine moralischen Empfindungen und ethischen Überzeugungen maßgeblich beeinflusst, von innen wie von außen. Erziehung, Schulzeit, Popkultur, Studium, Philosophie, als das hat dazu beigetragen, was ich heute als falsch und böse, oder als richtig und gut empfinde.

»Gott« als Variable

Was »Gott« anbelangt: Die Suche nach der ersten Ursache, nach dem Auslöser des Urknalls, nach dem Urgrund oder Urprinzip des Universums – diese Suche wird weitergehen, solange es denkende, rätselnde Menschen gibt. Und was auch immer diese Menschen finden, wird von manchen das Etikett »Gott« aufgedrückt bekommen. Denn »Gott« ist doch weniger mit der »Null« vergleichbar, wie Harris es tat, als mit einer Variable, die alles Mögliche sein kann. Auch ich wäre geneigt, diesen besonderen Begriff für ein wie auch immer geartetes Urprinzip aufzuheben.

Ich glaube übrigens an außerirdisches Leben. Allerdings nicht in irgendeiner der vielen, fantastischen Formen, in der Außerirdische bisher in unseren Bücher oder Filmen dargestellt wurden. Und dementsprechend glaube ich durchaus an ein göttliches Wesen. Nur eben nicht an »den einen Gott« oder sonst welche Gottheiten aus unseren allzu menschlichen Geschichten. Das wäre meine Antwort auf die Frage, was glaubt ein Atheist?

1 Kommentar zu „Atheismus vs. Gottesglaube“

  1. Lieber David
    vielen Dank für diesen erfrischenden Beitrag. Ich möchte dir einen „Denkanstoß“ geben, der zumindest vielen Christen selten bekannt ist, weil sie weder das alte noch neue Testament selber gelesen haben und ihren „Glauben“ eher als moralische Regeln gelehrt bekamen.
    Glauben bedeutet Vertrauen. Selbstvertrauen lässt sich von Gottvertrauen nicht trennen. Denn es hat mit Liebe zu tun. In der liebe nimmst du dich mit den Augen des oder der geliebten wahr – du hast so vollkommenes Vertrauen dass du dich vollkommen überlässt – das hat etwas schicksalhaftes wie – i was Born for loving you Baby – und es ist zweifellos so dass wir immer Teil des Schicksals des anderen sind.
    Kurzum: bitte trenne dich von der Vorstellung dass die Übung bzw. Die Disziplin etwas anderes sei als glauben hoffen lieben .
    Diese Übung ist insofern irrational weil sie damit einhergeht sich in jemand anderen hineinzuversetzen in der Weise in ihn hineingestoßen zu sein wie John Denver in seine Annie wenn er sie umarmt.
    Irrational insofern als dass ein Mensch sich davon löst zu glauben oder anzunehmen er sei eine fixe Existenz und eben nicht ein im Fluss begriffenes Wesen das sich gibt – so wie du deine erfrischenden Vortrag gibst – doch das was du gibst erhältst du . Dein Körper ist leere Form wie ein Buddhist sagen würde – dein ich ist etwas was da durchfließt aber etwas was Dir gegeben wird – du magst es lenken und kannst es auch nicht behalten –
    Kurzum: ich bin nicht weil ich denke
    Ich bin weil ich mich schenke
    Verstand und all mein Denken
    Lass ich nur liebe lenken.

    Und leider – wenn du die alten Schriften kennst ist diese Liebe keineswegs nur nett – sondern tödlich – das ist irrational – aber wenn du ernsthaft entschlossen durch das Leben gehst musst du jeden Augenblick deines Lebens hinter dir lassen – du stirbst sozusagen immer in den nächsten Augenblick hinein oder du lebst nicht gerade jetzt und hier.
    Und wenn du das Leben aber liebst dann wirst du nicht in die Vergangenheit oder die Zukunft flüchten sondern dann bist du gegenwärtig so wie das Leben
    Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben – spricht die Liebe)
    Die Wahrheit ist offensichtlich so wie es ist.
    Die meisten religiösen Menschen aber sind doktrinär – sie wollen bestimmen wie das Leben zu spielen hat.
    Es ist ein Spiel – ein Liebesspiel- und romantisch ist nicht nur Zucker sondern auch leid und Tod.

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