Titanic · mit Kate Winslet

Im Folgenden ein paar Antworten und Hintergrundwissen zu Titanic (1997), dem berühmten Liebes- und Katastrophenfilm. Der Titel stammt vom Namen des Schiffs, auf dem die Geschichte spielt. Die Romanze zwischen den Hauptfiguren Jack und Rose ist allerdings fiktiv, also ausgedacht. Daher erübrigt sich die Frage: Hat Rose wirklich überlebt?

Rose ist ein fiktiver Charakter. Sie hat das Schiffsunglück nicht wirklich überlebt, da es Rose nicht wirklich gab. Als Vorlage für die Filmfigur diente zwar ein realer Mensch, Beatrice Wood. Sie ist 105 Jahre alt geworden, jedoch gar nicht als Passagier auf der RMS Titanic.

Inhaltsverzeichnis

Die Passagiere der Titanic

Die Titanic stach als das größte Schiff der Welt in See. 🚢 Sie kollidierte auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg und ging etwa zweieinhalb Stunden später unter. Was ist mit denen, die auf der Titanic waren, aber weder überlebt haben noch geborgen werden konnten? Anders gefragt: Sind noch Tote in der Titanic?

Es sind keine Toten mehr in der Titanic. Zwar konnten nach der Katastrophe nur knapp über 330 Leichen geborgen werden (von denen viele im Zuge von Seebestattungen wieder ins Wasser zurückgeworfen wurden). Doch im Wrack selbst finden sich nach all den Jahren keine menschlichen Überreste mehr.

Natürlich gibt es auch etliche Bücher und Filme, die sich mit den Geschichten der echten Passagiere der Titanic befassen. So erzählt die Doku The Six (2021) von den sechs Überlebenden chinesischer Herkunft, die nach dem Schiffsunglück scheinbar spurlos verschwanden.

Dass der Regisseur James Cameron von den chinesischen Überlebenden wusste, legt eine Deleted Scene aus dem Film Titanic nahe: Die Rettung eines chinesischen Passagiers.

Der Umgang mit dem Untergang

Die Faszination, die von der Titanic ausgeht, hat sich bis heute erhalten. Immer wieder bietet sie Erzählstoff für Dokus, oder für Blogbeiträge wie diesem hier, oder sie dient gar als Kulisse für Mottopartys.

So lud die Sängerin Adele am 5. Mai 2018 zu einer Mottoparty im Stil ihres Lieblingsfilms Titanic ein. Anlässlich ihres 30. Geburtstages schlüpfte Adele dazu in die Rolle von Rose DeWitt Bukater, jener fiktiven Frau, die im Alter von 17 Jahren England in Richtung Amerika verlassen wollte. Die Bilder sind hier zu sehen.

An das katastrophale Schicksal der Menschen auf der Titanic schien Adele weniger gedacht zu haben, als sie ihre Party plante. Entsprechende Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Tatsächlich muten ihre Instagram-Fotos von der Feier – Tanzen in Rettungswesten (Bild 3) – etwas makaber an.

(Taktgefühl mal beiseite gelassen: Den Rose-Lookalike-Contest gewinnt die Sängerin Adele allemal. Unglaublich, wie ähnlich sie Kate Winslet in ihrer berühmtesten Rolle sieht!)

Auch der Regisseur James Cameron musste sich seit dem Kinostart von Titanic mit Kritik befassen. Ein Vorwurf lautet, mit dem Fokus auf die Romanze habe der Regisseur die Katastrophe für seine dramaturgischen Zwecke instrumentalisiert. 🎥

Doch seien wir ehrlich: Der Untergang der RMS Titanic wäre längst vergessen in einer Gesellschaft, die sich nicht einmal um die Hunderten von Ertrunkenen im Mittelmeer der Gegenwart schert.

Der Einzug ins kollektive Gedächtnis

Man kann den Film Titanic finden, wie man will – er hält die Erinnerung an das Unglück von damals wach. Vielleicht nicht auf dem Niveau, mit dem ein Homer an den trojanischen Krieg erinnert hat (hier mehr über Homer), aber immerhin.

Filme wie Schindlers Liste (1993), Hotel Ruanda (2004), Flug 93 (2006), Utøya 22. Juli (2018) und so viele mehr haben schon allein deshalb eine Daseins-Berechtigung: Sie festigen die Erinnerung an Ereignisse, die nicht in Vergessenheit geraten sollten, im kollektiven Gedächtnis.

Wer könnte sich sonst noch an jene Schiffskatastrophe im Jahre 1912 erinnern, bei der über 1.500 Menschen ihr Leben ließen, weil schlichtweg zu wenig Rettungsboote eingeplant waren?

Anders gefragt: Wer kann sich an die philippinische Fähre Doña Paz erinnern, die in den 1980er Jahren nach einer Kollision sank und über 4.000 Menschen in den Tod riss?

Auch dahinter dem Untergang der Doña Paz verbirgt sich eine skandalträchtige Geschichte, aber eben nicht die von Jack und Rose und dem erfolgreichsten Film des 20. Jahrhunderts. 🎞️

Welch mehr oder weniger noblen Motive Cameron letztlich dazu veranlasst haben mögen, den Untergang der Titanic auf die große Leinwand zu bringen: Er hat sie damit vor dem Vergessen bewahrt.

Zur Belohnung gab es für Titanic über 1,8 Millionen Dollar Einspiel-Ergebnis und ganze elf Oscars. So viele Goldjungen hatte bis dato nur Ben Hur abgesahnt.

Die Begeisterung für Leo DiCaprio

Titanic sah ich erstmals 2001. Ich war 12 Jahre alt und mit dem grünen FSK-Siegel auf der Video-Kassette nicht mehr abzuschrecken. Meine Mutter gab meiner Hartnäckigkeit (seit Jahren wollte ich diesen Film sehen) endlich nach und wir schauten uns Titanic am Silvesterabend an.

Dass meine kleinen Geschwister den Film prompt mit anschauen durften, war eine der Ungerechtigkeiten, mit denen sich älteste Geschwisterkinder abzufinden lernen.

Meine Schwester (8) schlief nach ein paar Minuten ein. Wegen meines Bruders (10) spulte meine Mutter in der zweiten Filmhälfte über jeden Filmtod hinweg das Band weiter (»Das Schiff geht jetzt eine Stunde lang unter«). War ’ne tolle erste Sichtung. 👌

Warum war ich damals so fixiert auf einen Film, der Zwölfjährige wohl kaum zur Zielgruppe hat? Das lag sicher auch an der Berühmtheit von Leonardo DiCaprio (Romeo & Julia), der in den späten 90er Jahren omnipräsent war. Zumindest für mich.

Ich kannte DiCaprio aus Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa. Während wir uns Titanic später als Original-Videokassette geliehen haben, hatten wir Gilbert Grape als FreeTV-Ausstrahlung mit dem Videorekorder aufgenommen und diese illegale Raubkopie schon etliche Male gesehen.

Leo war dutzendfach in unseren Sticker-Alben und auf den Titelseiten von Zeitschriften, die seine Story vom Kinder-Schauspieler zum Megastar schilderten.

Ich schätze, in dieser Erzähl-Perspektive vom Jungen, der später durch Titanic weltberühmt wurde, lag meine kindliche Identifikation mit DiCaprio begründet.

Geschenk-Ideen zu Titanic

Apropos Sticker-Alben: Hier ein paar Geschenk-Ideen für Titanic-Interessierte bzw. Fans des Films:

Die eigentliche Heldin des Films

Später habe ich Titanic noch etliche Male auf DVD gesehen und als 3D-Fassung im Kino – und begriffen, dass Leonardo DiCaprio in der Rolle des Jack Dawson eigentlich nur als Love Interest dient für die eigentliche Heldin des Films: Rose.

Tipp: DiCaprio und Winslet traten erst viele Jahre später wieder als gemeinsames Paar vor der Kamera auf, in Zeiten des Aufruhrs (2008) von Sam Mendes, dem Ehemann von Winslet.

Rose DeWitt Bukater betritt sie als Teenagerin mit ihrer Mutter, ihrem Personal und dem Mann, den sie heiraten soll, das größte Schiff der Welt. Gespielt wird Rose im Laufe des Films von zwei Schauspielerinnen. Sowohl Kate Winslet (die junge Rose) als auch Gloria Stuart (die alte Rose) wurden dafür mit dem Oscar geehrt.

Fun Fact: Eine solche Oscar-Doppelehrung gab es seither nur ein einziges weiteres Mal. 2001 bekam Judi Dench als für Iris den Oscar als beste Hauptdarstellerin, gemeinsam mit der Schauspielerin für dieselbe Rolle in jung – und das war, wieder mal, Kate Winslet. 🤯

Titanic erzählt die Geschichte von Rose aus der Retrospektive, wie sie sich als alte Frau, Künstlerin und Mutter, an die Überfahrt nach Amerika erinnert. Wir verfolgen ihre Geschichte vom Besteigen des Schiffs bis zu ihrer Ankunft am anderen Ufer – mit allen schönen und schrecklichen Erfahrungen dazwischen.

Durch Roses Schicksal und ihre Perspektive ist das Drama, das sich für Hunderte von Passagieren auf hoher See abgespielt hat, für uns bis heute noch in hohem Maße nachzuempfinden.

Die Befreiung aus dem Korsett

Eine der Szenen, die es nicht in die finale Filmfassung geschafft hat, trägt den Titel The First: die oder der Erste. Es handelt sich um eine Szene zwischen Rose, ihrem Verlobten Cal und dem Dienstmädchen Trudy. Sie ist hier zu sehen:

Cal betritt das Zimmer, als Trudy gerade fröhlich mit Rose spricht.

Trudy: Es duftet so neu! Als hätten sie alles nur für uns gebaut. Ich meine… nur daran zu denken, dass ich heute Nacht, wenn ich unter die Bettdecke krabbele, die Erste sein werde–

Cal (Rose anschauend): Und wenn ich unter die Bettdecke krabbele, heute Nacht, dann werde ich der Erste sein.

Trudy (wird rot und verschwindet): Entschuldigen Sie, Miss.

Cal (nähert sich Rose): Der Erste und der Einzige, für immer.

Die Szene impliziert, dass Rose noch Jungfrau ist. In einer späteren Szene sehen wir, wie Rose von ihrer Mutter das Korsett zugeschnürt bekommt. Die Mutter (Frances Fisher) redet vom »guten Namen«, der ihren Berg von Schulden verstecken würde.

Sie sagt: »Dieser Name ist die einzige Karte, die wir noch ausspielen können.« Neben der Reputation des Familiennamens war Jungfräulichkeit auch so ein »Wert«, der Frauen zu jener Zeit zugeschrieben wurde (und bis heute wird, in vielen Ländern der Welt).

In einer weiteren Szene sehen wir Cal und Rose beim Frühstück auf dem privaten Deck. Es ist der Morgen nach Roses nächtlichem Abenteuer in der Dritten Klasse – mit Jack. Cal erzählt Rose, er habe sie erwartet, vergangene Nacht.

Mit der Szene The First wird umso deutlicher, wie sehr Rose ihre »Karten« selbst spielen will. Im Laufe des Films befreit sie sich mehr und mehr aus dem Korsett, in das ihre Familie sie zwängt. Sie löst sich von dem Mann, den sie heiraten soll – und sie kehrt auch nicht zurück, als der Mann, den sie liebt…

❌ Achtung, Spoiler! ❌

Das tragische Ende des Films

…stirbt. Ja, Jack stirbt. Man kann Titanic schauen, so oft man mag, auf das Ende klarzukommen fällt schwer: Warum zum Geier passen nicht zwei Personen auf dieses blöde Brett im Wasser!?!

Jack hätte doch locker überleben können, wenn die beiden bloß ein bisschen zusammengerückt wären! Warum also – warum, warum!? – musste Jack sterben? Regisseur James Cameron gibt darauf eine betörend einfache Antwort:

Es steht auf Seite 147 im Drehbuch, dass Jack stirbt. So einfach.

Zum Glück geht die Antwort noch weiter:

Wenn er überlebt hätte, wäre das Ende des Films bedeutungslos gewesen. Der Film handelt von Tod und Trennung – er musste sterben. Also entweder so, oder indem einer der Schiffsschornsteine wäre auf ihn gestürzt.

James Cameron via Independent

Ein Film über Tod und Trennung also, im Kontext einer realen Katastrophe, am Beispiel eines fiktiven Liebespaares.

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